Ein Mythos ist am Ende!

Kennst du das auch? Das Aquarium ist eingerichtet, Wasser und Dekoration sind drin, und die ersten Fische sterben. Eine zeitlang wurde vor Dekorationelementen aus Kunststoffen oder lackierten Teilen gewarnt. Von diesen Teilen sollten Giftstoffe abgeben werden, durch die das Aquarium vergiftet werden sollte. Aus Angst um die Fische wurde häufig nur absolut natürliches Dekorationsmaterial eingesetzt. Renommierte Hersteller von Aquarium Zubehör bringen jedoch kontinuierlich Dekorationselemente aus diesen vermeintlich gefährlichen Stoffen auf den Markt. Für mich ein Grund mich mit diesem Thema zu beschäftigen und mit dem Mythos abzuschließen.

Kunststoffe finden wir überall im Aquarium

Auf den ersten Blick besteht unser Aquarium aus Glas. Und auf den Zweiten? So schnell müssen wir feststellen, dass zwei Glasscheiben nur zusammen halten wenn sie mit Silikon verklebt werden. Folgen wir den Lauf des Wassers finden wir immer mehr Teile aus vermeintlich gefährlichen Materialien. Ansaugstutzen, Filterausläufe und ganze Filtergehäuse werden aus Kunststoffen hergestellt.

Sogar Reinigungsmagneten wie dieser JBL-Floaty werden aus Kunststoffen hergestellt.
Sogar Reinigungsmagneten wie dieser JBL-Floaty werden aus Kunststoffen hergestellt.

„Ist doch klar“, ist unser erster Gedanke, „das sind harte Kunststoffe ohne die giftigen Weichmacher!“ Aber jetzt komme ich und behaupte, dass der PVC-Schlauch der zum Außenfilter führt genau diese Stoffe enthält.

Welche Stoffe schaden können

Oft richtet man sich bei der Einrichtung des Aquariums an den natürlichen Lebensräumen der zu haltenden Tiere aus. Grundsätzlich kann ich das nur begrüßen. Insbesondere bei der Wasserqualität werden hierbei aber oft falsche Rückschlüsse gezogen. Sind Stoffe oder Elemente im natürlichen Habitat in einer bestimmten Konzentration vorhanden, oder auch nicht vorhanden, geht man häufig davon aus, das die Tiere diesen Stoff in der natürlichen Konzentration benötigen. Somit kann erstmal jeder chemische Stoff als unerwünscht, ja sogar giftig angesehen werden.

Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht´s, dass ein Ding kein Gift sei. – Paracelsus

Gifte von Tieren und Pflanzen sind die Basis vieler Medikamente.
Gifte von Tieren und Pflanzen sind die Basis vieler Medikamente.

Das hat man in der Medizin schon früh erkannt und auch im Aquarium trifft das zu. Auch darf man nicht vergessen, dass viele Arten schon seit unzähligen Generationen unter unterschiedlichsten Leitungswasser-Bedingungen nachgezüchtet werden und diese Tiere somit ihr natürliches Habitat gar nicht mehr kennen. So wie die Forelle im Bach mittlerweile mit den Düngemitteln vom benachbarten Acker zurecht kommt, kommen auch unsere Fische, Garnelen und Schnecken mit den Aquarium typischen Stoffen wie Ammonium, Nitrat und sogar Nitrit in entsprechenden Mengen zurecht. Die richtige Frage lautet daher: „Wo ist welche Konzentration giftig?“ Und solange im Wasser keine gefährlichen Konzentrationen vorliegen, kann meinetwegen jeder Stoff vorhanden sein wo er will.

Das Fertigungsverfahren macht den Unterschied

Alle im Aquarium verwendeten Materialien enthalten Stoffe die wir im Wasser nicht haben wollen. Das ist so lange in Ordnung, wie diese Stoffe auch da bleiben. Und das tun sie auch. Sichergestellt wird das durch das richtige Fertigungsverfahren. Mit den unterschiedlichsten Methoden lassen sich Kunststoffe verarbeiten. Ein großer Unterschied liegt zwischen Warm- und Kaltfertigung. Während bei der Kaltfertigung eine relativ offene Materialstruktur das Wandern von Elektronen, Atomen und Molekülen zulässt wird bei der Warmfertigung das Wandern weitestgehend unterbunden. Alle unbeliebten Stoffe bleiben auf diese Weise da wo sie hin gehören.

Principe moulage injection polymere.svg
Principe moulage injection polymere“ von Cdang, Brendan Rockey, University of Alberta Industrial Design – Eigenes Werk, from http://en.wikipedia.org/wiki/File:Injection_molding.png. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

In Foren lese ich auch häufig, dass Teile des Hardscape mit Sekundenklebern verklebt werden. Da die Aushärtung dieser Kleber nicht unter hohen Temperaturen stattfindet scheint sie erstmal problematisch. Aus diesem Grund habe ich mich bezüglich dieses Sachverhalts bei der Anwendungsberatung von UHU erkundigt.

Zwar hat man hier kaum Erfahrung mit der Aquaristik, grundsätzlich sollen Klebstoffe aber keine Stoffe an das Wasser abgeben, da sich diese durch das Aushärten in Kunststoffe mit einer festen Matrix umwandeln. Dies setzt jedoch eine fehlerfreie Anwendung vorraus. Bei allen Klebstoffen bedeutet dies eine Aushärtezeit von etwa 72 Stunden ohne Wasserkontakt, bei der gewährleistet wird, dass alle Lösemittel rückstandfrei verdunsten. Bei zwei-Komponenten-Klebern kommt noch hinzu, dass die Komponenten in absolut gleichen Teilen und vollständig durchmischt verwendet werden, so Domenico Verrina von der UHU Anwendungsberatung.

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Von Ihm kommt auch noch die Empfehlung die Klebestelle mit Bootslack zu versiegeln um ein Unterwandern des Klebers vom Wasser zu verhindern. Hierbei ist aber wiederum darauf zu achten, dass dieser Lack keine Antifouling-Eigenschaften hat. Ebenfalls ungeeignet sind Farben auf Wasserbasis wie die von einschlägigen Modellbau Herstellern. Da diese Farben wasserlöslich sind werden sie auch nach der Aushärtung wieder durch das Aquariumwasser angelöst.

Auf der sicheren Seite mit europäischen Markenherstellern

Alle europäischen Markenhersteller für Aquaristik und Terraristik investieren viel Forschungs- und Entwicklungsarbeit um ein Diffundieren giftiger Stoffe zu verhindern. Es werden ausschließlich Fertigungsverfahren eingesetzt die sicherstellen, dass keine unerwünschten Stoffe an das Wasser abgegeben werden und da bleiben wo sie die Eigenschaften des Kunststoffes bestimmen.

Vorsichtig sollte man dann aber doch sein, wenn man Produkte von unbekannten Herstellern aus dem außereuropäischen Ausland kauft oder die nicht ausdrücklich für die Verwendung im Aquarium vorgesehen sind. Dabei möchte ich besonders auf Bausilikon hinweisen, da dies Fungizide enthält die an das Wasser abgegeben werden.

Resümee

In Foren, Läden und an Stammtischen wird viel darüber diskutiert was man bedenkenlos ins Aquarium einbringen kann und was nicht. Was man dabei liest und hört ist teilweise haarsträubend. Tatsächlich sind die von uns so gefürchteten Stoffe in fast allen im Aquarium verwendeten Kunststoffen enthalten. Die Hersteller von diesen Produkten haben jedoch eine funktionierende Strategie um diese aus dem Wasser fern zu halten. Die Angst vor Vergiftung ist somit in den meisten Fällen unbegründet.

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