Einrichtung eines Aquariums | Hardscape

Der erste Schritt auf dem Weg zu einem schönen Aquarium ist das Hardscape. Darunter versteht man die gesamte Einrichtung des Aquariums mit Ausnahme von Pflanzen. Diese wird in der Regel in das Aquarium eingebracht bevor das erste Wasser aufgefüllt wird. Bekanntlich bin ich ja kein großer Freund davon alles bis ins kleinste Detail zu planen. Daher behaupte ich auch hier, dass die Vorstellung vom fertigen Becken erst wächst wenn man verschieden Elemente kauft und in den Händen hält. Dennoch sollte man schon zu Beginn eine grobe Vorstellung haben wo der Weg hinführen soll. Vor allem wenn Pflanzen an Steine oder Wurzeln gebunden werden sollen, sollte man das vorher wissen.

Das grobe Bild das man von seinem fertigen Aquarium im Kopf haben sollte beinhaltet die Farbgebung, ob man lieber Stein oder Holz bevorzugt und wie viele Pflanzen eingebracht werden sollen. Mit diesem Bild geht man am besten in den Fachhandel und sieht sich die dazu passenden Steine, Wurzeln und sonstigen Hardscape Elemente im Original an. Viele Fachhändler haben auch einen „Sandkasten“ in dem man verschiedene Elemente ausprobieren und kombinieren kann. So entsteht aus dem groben Bild schnell ein konkreter Plan. Im Folgenden erfahrt ihr welche Hardscape Elemente ihr berücksichtigen solltet und wie sie idealerweise ins Aquarium eingebaut werden.

Rückwände

Die Rückwand ist das Erste was bei der Einrichtung des Aquariums berücksichtigt werden muss. Für die Montage der Rückwand muss das Aquarium in der Regel hingelegt werden. In vielen Fällen wird wohl eine Posterrückwand verwendet werden. Diese wird mit einem Spezialkleber von außen auf der Scheibe angebracht. Dazu legt man das Aquarium auf die Vorderseite. Der Kleber wird in einer ausreichenden Menge auf der Mitte der Scheibe aufgebracht. Hierbei sollte man lieber etwas großzügiger sein. Reicht der Kleber nicht sofort für die gesamte Fläche ist es schwer noch etwas dazu zu geben. Legt man das Poster auf diesen Kleber wird er durch den Kapillareffekt bereits weiter verteilt. Dennoch muss jetzt mit einem Rakel der Kleber von Innen nach Außen geschoben werden. Es ist wichtig die gesamte Luft zwischen Glas und Poster zu entfernen. Ansonsten entstehen Blasen die durch das befüllte Aquarium sehr unschön aussehen. Zum Abschluss werden die Kanten noch mit Klebestreifen fixiert.

Die Form A der Juwel Terrassenelemente ist konkav
Die Form A der Juwel Terrassenelemente ist konkav

Ich selber bevorzuge Strukturrückwände. Diese sind meistens quadratische Platten und werden von innen auf die Scheibe geklebt. Das Material dieser Platten ähnelt der von Bauschaum weshalb das Zuschneiden etwas umständlicher ist als bei einem Poster. Am besten arbeitet man mit einer feinen Säge. Mit einem Scharfen Messer lassen sich die Rückwände nur schwer schneiden. Zu Strukturrückwänden gibt es meistens auch passende Terrassenelemente und Filtercover. Letztere können wirklich nur gesägt werden. Um die Strukturrückwände anzubringen legt man das Aquarium auf die Rückseite. Zum verkleben der Rückwände nimmt man Aquariumsilikon, das Filtercover muss mit Unterwasserkleber verklebt werden. Es ist wichtig kein Bausilikon oder Heißklebe zu verwenden. Diese können für die Fische giftig sein. Die Silikon- oder Klebebahnen werden senkrecht aufgebracht. Auf keinen Fall aber in „U“-Form. Sinkt der Wasserstand, zum Beispiel beim Wasserwechsel, muss das Wasser nach unten ablaufen können.

Große Steine

In der Regel startet die Einrichtung mit dem Einbringen von Bodengrund und Kies. Etwas anders sieht es aus wenn besonders große Steine eingebracht werden sollen. Diese stehen besser fest auf dem Boden als auf dem Kies. Daher werden diese Hardscape Elemente noch vor dem Kies eingebracht. Um den Boden zu schonen kann man eine dünne Styroporplatte zwischen Stein und Boden legen. Eine Pauschalaussage ab welcher Größe man so arbeiten sollte kann ich nicht geben. Vielleicht wirkt auch ein großer Stein nur wenn er auf dem Kies liegt. Dann kann man durchaus so machen, muss aber mit Setzerscheinungen rechnen.

Bodengrund, Kies und Sand

Als erstes möchte ich kurz die Begriffe bestimmen. Besonders wenn ich von Bodengrund spreche habe ich oft das Gefühl, dass ich missverstanden werde. Ein Boden für bepflanzte Aquarien besteht in der Regel aus zwei Schichten. Die untere Schicht ist der Bodengrund. Er ist als Pflanzennährstoff gedacht und besteht aus Torf und anderen Düngemitteln. Dieser Bodengrund wird bedeckt vom Kies der dann das Aussehen des Bodens bestimmt.

Bodengrund gibt es in den unterschiedlichsten Variationen und worin diese sich unterscheiden weiß bestimmt nur der Entwickler. Ich habe bisher immer den Bodengrund von Dennerle verwendet. Über die Dosierungsanweisungen habe ich mich bisher aber immer hinweg gesetzt. Die empfohlene Menge kann man getrost halbieren. Eine dünne Schicht reicht vollkommen aus. Wer schon einen genauen Plan hat wie das Becken eingerichtet werden soll kann auch nur die Stellen mit Bodengrund bedecken an denen später Pflanzen stehen die einen Nährstoffreichen Boden benötigen. Es ist allerdings Vorsicht bei kleineren Aquarien geboten: Das Nähstoffangebot wird direkt nach der Neueinrichtung im ganzen Becken erhöht. Große Aquarien stecken das weg, in Nano-Aquarien sollte man auf einen Bodengrund verzichten.

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Der Bodengrund wird mit Kies bedeckt. Vorne sollte dieser ungefähr 4 cm hoch sein und nach hinten ansteigen. Ein ansteigender Boden erhöht die Tiefenwirkung und bietet den großen Hintergrundpflanzen einen festen halt. Der Kies bietet zwei Stellschrauben für die Entwicklung des Aquariums. Die Farbe hat Auswirkungen auf das Lichtangebot im Aquarium. Pflanzen können das von hellem Kies nicht absorbierte Licht weiter nutzen, Fische hingegen bevorzugen lieber dunklen Kies. Zum anderen wirkt sich die Korngröße auf den Pflanzenwuchs aus. In feinem Kies oder Sand können Nährstoffe nicht sehr gut zirkulieren. Daher ist ein grober Kies für das Pflanzenwachstum besser. Welse bevorzugen jedoch feinen Boden in dem sie wühlen können. Feiner Sand ist dabei gerne gesehen aber auch schwierig. Insbesondere wenn er nicht gleichmäßig eingebracht wurde und Luftblasen enthält neigt er dazu faulig zu werden. Bei der Auswahl des Kieses ist also eine sinniger Kompromiss gefragt.

Wurzeln und Steine

Steine und Wurzeln die noch nicht vor dem Kies eingebracht wurden werden jetzt auf dem Kies positioniert. Je nach Gewicht des Hardscape muss für einen sicheren Halt gesorgt werden. Außerdem muss berücksichtigt werden, dass die Elemente sich setzten und so vor allem weiter in den Vordergrund rutschen. In dieser Phase ist etwas Ausprobieren gefragt. Elemente die sich vom Vordergrund bis in den Hintergrund ziehen können erheblich zur Tiefenwirkung beitragen. Daher bevorzuge ich ehr wenige große als viele kleine Elemente. Soll das Hardscape Element bepflanzt werden müssen diese Pflanzen jetzt mit Nylonschnur oder Haarnetzen befestigt werden.

Dieses frühe Bild meines Aquariums zeigt meine große Mpaniwurzel noch unbewachsen. Mopaniwurzeln sind ein sehr schönes Hardscape Element für Süßwasseraquarien.
Dieses frühe Bild meines Aquariums zeigt meine große Mpaniwurzel noch unbewachsen. Mopaniwurzeln sind ein sehr schönes Hardscape Element für Süßwasseraquarien.

Von Steinen und Wurzeln gibt es verschiedene Arten. Bei der Planung sollte man gleich bedenken wie diese Hardscape Elemente grob aussehen sollen. Zumindest sollte man sich im klaren sein welche Gesteinsart man möchte. Diese sollte zu den Fischen passen. Steine bieten den Vorteil, dass sie sich stapeln und verkleben lassen. So kann man interessante Felslandschaften schaffen. Zum Verkleben darf aber nur spezieller Unterwasserkleber verwendet werden. Diesen haben wir ja noch vom Filtercover.

Auch Wurzeln gibt es in verschiedenen Ausführungen. Nicht alle Wurzeln sind Wurzeln. Das beliebte Moorkienholz kann auch normales Holz sein. Der Name stammt daher, dass dieses Material in Mooren gelegen hat wodurch es seine Eigenschaften erhält. Andere beliebte Holzarten sind die Mangrovenwurzeln und Mopaniwurzel. Ich bevorzuge die letztere. Diese wird gestrahlt und muss daher nicht gekocht werden. Außerdem ist sie von Natur aus sehr schwer und bleibt sofort am Grund liegen. Andere Wurzeln müssen teilweise Wochen im Wasser liegen bis sie selbständig unter gehen. Hohe Wassertemperaturen beschleunigen das. Ich hatte schon einmal ein Stück Moorkienholz zwei Wochen auf dem Herd. Auf jeden Fall ist es bei allen Wurzeln zu empfehlen diese mit heißem Wasser abzubürsten.

Alle Wurzeln werden in den ersten Wochen Farbstoffe abgeben die das Wasser färben. Es kann teilweise Monate dauern bis das Wasser klar ist. Dann ist Geduld gefragt. Irgendwann ist Schluss damit.

Abschließendes zur Einrichtung des Hardscape

In dieser Phase der Einrichtung ist noch alles offen. Zwar hat man ein grobes Bild aber je mehr Elemente man sich ansieht desto mehr verändert man seine Vorstellungen. Das ist nichts schlimmes. Durch viel Ausprobieren wird man irgendwann das Aquarium seiner Wünsche haben. Jedoch sollte man bei der Auswahl von Steinen, Wurzeln oder auch des Bodens auch auf die Bedürfnisse der späteren Bewohner eingehen. Das Hardscape bleibt in der Regel immer im Aquarium. Während Pflanzen schon mal ausgetauscht werden geht das mit dem Hardscape nur schwer.

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4 Kommentare bisher. Was sagst du dazu?

  1. Peter sagt:

    Hallo! Vorab ein großes Kompliment an den/die Betreiber dieses Blogs – Wirklich sehr informativ und kurzweilig geschrieben! Ich selbst überlege, für den Lounge-Bereich meines Büros (Gemeinschaftsbüro mit 5 Parteien) ein Aquarium anzuschaffen, da ich es sehr ansprechend finde, wenn Geschäftspartner und Kunden im Wartebereich (leider sind meine Termine immer in ca. ^^) auf ein schönes Aquarium blicken können – kann ich stundenlang!
    Nun ist das Thema Aquarium nicht gerade ohne, insbesondere, weil es ja ein repräsentatives sein muss und auch soll. Sehr schwierig wird es, wenn es etwas Besonderes sein soll, wie ein Salzwasseraquarium, oder ähnliches…
    Daher glaube ich, ich werde ein Unternehmen mit dem Entwurf, der Aufstellung und Wartung beauftragen, sodass nichts schief gehen kann. Da ich in München wohne, habe ich den Anbieter http://www.aquariumwest.de gewählt, weil die Refenrenzen einfach überwältigend sind. Da die Damen und Herren nciht nur den Entwurf des Aquariums und dessen Umsetzung übernehmen, sondern auch die Pflege, also das Reinigen des Beckens und alle Kontrollen durchführen, glaube ich, es ist die beste Wahl. Ich werde euch gerne über den aktuellen Stand informieren.
    Gruß und Ahoi!

    Peter

    26. Juni 2015
    Antworten
    • Hallo Peter,
      vielen Dank für dein großes Lob.
      Ich denke, dass du in diesem Fall alles richtig machst. Eigentlich kann jeder ein Aquarium aufbauen, einrichten und pflegen. Wie du aber schon richtig schreibst sollte ein repräsentatives Becken immer gut gepflegt sein was auch einiges an Zeit in Anspruch nimmt, die man dienstlich sicherlich woanders besser einsetzten könnte. Daher gibt es viele Firmen die diese Aufgaben übernehmen. Und wenn man sich zum Beispiel in Krankenhäusern oder Einkaufszentren die auf diese Weise gepflegten Becken ansieht stellt man meistens fest, dass es auch funktioniert.
      Gruß Dirk

      29. Juni 2015
      Antworten

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