Kahmhaut entfernen und ihre Ursache

Irgendwann bekommt jeder Aquarianer Kontakt mit dem Thema Algen. Die meisten Algen sind Pflanzen und mit einfachen Mitteln zu bekämpfen. Einige Arten sind jedoch keine Pflanzen sondern Bakterien. So ist es auch bei der Kahmhaut. Daher kann sich eine Kahmhaut schon mal als sehr hartnäckig entpuppen und nur schwer in den Griff zu bekommen sein. Daher sollten möglichst viele Maßnahmen in Kombination durchgeführt werden.

Was ist Kahmhaut?

An der Wasseroberfläche sammeln sich sowohl flüssige Stoffe die leichter sind als Wasser, als auch feste Stoffe aus der Luft, die ebenfalls auf Grund ihrer Dichte nicht absinken oder durch die Oberflächenspannung am eintreten in das Wasser gehindert werden. Durch diese Kombination entsteht an der Wasseroberfläche ein einmaliger Lebensraum für Mikroorganismen. Nicht nur in Teichen, sondern auch im Aquarium kann dies eintreten. Die Oberfläche kann dann von Bakterien bevölkert werden die eine mehr oder weniger dicke Schicht bilden.

Die Gefahr bei dieser Schicht besteht darin, dass an der Oberfläche kein Gasaustausch zwischen Wasser und Luft mehr stattfindet. Dieser ist jedoch wichtig um schädliche Gase aus dem Aquarium zu befördern und eine Vergiftung zu verhindern. Dies ist eine der schlimmsten Folgen, aber schon eine dünne, geschlossene Kahmhaut kann für eine Reduzierung des Sauerstoffgehaltes sorgen.

Bereits eine dünne Kahmhaut kann die Sauerstoffversorgung beeinflussen.
Bereits eine dünne Kahmhaut kann die Sauerstoffversorgung beeinflussen.

Wie beseitige ich Kahmhaut?

Zur Beseitigung von Kahmhaut kursieren im Internet diverse Vorgehensweisen. Sie alle verfolgen unterschiedliche Philosophien und haben bestimmt auch alle ihre Daseinsberechtigung. Da es auch verschiedene Arten von Kahmhaut gibt, sollte man sich nicht von einer Meinung einnehmen lassen und die für seinen speziellen Fall die effektivste Lösung finden. Ich empfehle sogar die Kombination aus mehreren Ansätzen. In meinem Aquarium hat sich eine recht einfache Vorgehensweise als äußerst wirkungsvoll herausgestellt:

  1. Mechanisches Entfernen der Kahmhaut. Anfangs habe ich versucht, mit einem Messbecher die Oberfläche abzuschöpfen. Dies erwies sich aber sehr schnell als Sisyphusarbeit. Daher bin ich auf ein anderes System gewechselt. Dabei lege ich eine Seite Zeitungspapier auf die Oberfläche. Die Kahmhaut benetzt das Papier und wird mit ihm wieder abgezogen und entsorgt. Von der nicht behandelten Oberfläche verteilen sich die verbliebenen Organismen wieder auf der gesamten Oberfläche, die Schicht wird aber von mal zu mal dünner. Bis die Kahmhaut vollständig entfernt ist, kann man schon mal eine gesamte Zeitung verbrauchen.
  2. Im zweiten Schritt wechsel ich eine Großteil des Wassers. Dadurch wird ein möglicher Überschuss an Nährstoffen wieder ausgeglichen. Außerdem kann durch das Wechselwasser die Wassertemperatur gesenkt werden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kahmhaut im Aquarium bevorzugt im Sommer bei hohen Wassertemperaturen auftritt. Wenn man keine wärmebedürftigen Fische oder Pflanzen pflegt, sollte man versuchen die Temperatur auf 24 Grad zu senken.
  3. Bei hartnäckigem Befall schalte ich unterstützend für einige Tage die Beleuchtung komplett aus. Um jedoch den Pflanzenwuchs, und somit auch die Verarbeitung der vorhandenen Nährstoffe, nicht zu behindern versuche ich auf eine Reduzierung der Beleuchtungszeit und der Düngung zu verzichten.

 

Eine weitere Möglichkeit besteht in der Verwendung eines Skimmers. Diese Oberflächenabsauger werden jedoch heiß diskutiert. Für beide Seiten gibt es überzeugte Verfechter im Internet. Beide Seiten führen Argumente an, die logisch erscheinen. Wie man mit diesem Thema umgeht sollte jeder für sich selbst entscheiden. Ich persönlich benutze keinen Skimmer, da die im Handel vertriebenen Geräte ursprünglich nur für die Absaugung eines Eiweißschaums in Meerwasser Aquarien konzipiert sind. Auch finde ich, dass die Oberflächenbakterien, unabhängig von den möglichen Auswirkungen, nichts im Filter zu suchen haben. Eine interessanten Ansatz ist der Einsatz eines Eigenbauskimmers in Form eines U-Rohres, durch den die Oberfläche durch einen separaten Filter gefiltert wird. Dieser wird unabhängig vom eigentlichen Filter betrieben. Dies ist vielleicht der Kompromiss aus beiden Philosophien und wurde bereits in einem führenden Forum beschrieben.

Kahmhaut vorbeugen

Hat sich erst mal eine Kahmhaut etabliert, ist es schwer diese wieder zu beseitigen. Daher sollte man versuchen eine Kahmhaut gar nicht erst entstehen zu lassen. Wie bei allen Vorgängen im Aquarium ist hierbei das Gleichgewicht von essentieller Bedeutung. Der erste Schritt ist daher eine angemessene Fütterung der Fische und eine angemessene Düngung der Pflanzen. Sowohl Fische als auch Pflanzen sollten in einem gesunden Verhältnis zueinander stehen. Mir scheint dies jedoch nur einen kleinen Einfluss zu haben, denn obwohl ich diesen Grundsatz berücksichtige bildet sich auch bei mir von Zeit zu Zeit eine dünne Kahmhaut.

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Besondere Vorsicht gilt nach der Erneuerung der Beleuchtung. Ebenso wie der Anstieg der Temperatur scheint mir der plötzliche Anstieg der Lichtleistung die nötige Energie für den Beginn der Kahmhautbildung zu sein. Leuchtstoffröhren sollten daher immer einzeln gewechselt werden. Eine konstante Temperatur senkt meiner Erfahrung nach auch das Risiko.

Eine dünne Kahmhaut wird durch die Strömung eines Filterauslaufes aufgerissen.
Eine dünne Kahmhaut wird durch die Strömung eines Filterauslaufes aufgerissen.

Wichtig ist auch eine ausreichende Oberflächenbewegung. Durch den Filterauslauf sollte die Oberfläche immer leicht aufgeworfen werden. Eine beginnenden Kahmhaut wird hier kontinuierlich aufgerissen. Auch bei der Düngung mit CO2 sollte man darauf nicht verzichten, selbst wenn hierdurch ein Anteil des CO2 ausgewaschen wird.

Da sich bei der Bekämpfung der Kahmhaut ein großzügiger Wasserwechsel als sehr hilfreich herausstellt, kann ich auch prophylaktisch zu Wasserwechseln raten. Der Umfang richtet sich dabei nach der Größe des Aquariums sowie der Anfälligkeit. Bei problemlosen Aquarien sollte es ausreichen alle 14 Tage etwa ein viertel des Wassers zu wechseln. Bei akuten Problemen kann es nötig sein mehr als drei viertel des Wassers täglich zu wechseln.

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5 Kommentare bisher. Was sagst du dazu?

  1. Hans Meier sagt:

    Ich habe bei mir gemerkt, dass ich seit dem ich meine Beleuchtung umgestellt habe, entscheidend weniger Kahmhaut auf der Oberfläche habe. Hab die Balken von http://ledaquarium.de
    Der Tipp mit der Strömung ist aber auch sehr gut.
    Vielen Dank

    4. September 2014
    Antworten
    • Hallo Hans,

      vielen Dank für den weiteren Tipp und das positive Feedback.

      Gruß Dirk

      4. September 2014
      Antworten
  2. Sven Geffert sagt:

    Man erkennt eine Kahmhaut frühzeitig (vorbeugend) wenn man von untern am Aquarium an die Wasseroberfläsche schaut. Erkennt man dann eine leichte milchige verfärbung helfen noch die Tricks mit dem Wasserauslass des Filter sowie eine Luftpumpe mit entsprechendem feinem Sprudlerstein (je kleiner die Blasen desto besser).
    Gruß Sven Geffert

    4. Mai 2015
    Antworten
  3. Sandra sagt:

    Der Tipp mit der Zeitung und der Bewegung der Wasseroberfläche war Gold wert! Danke für den toööen Tipp!!!

    10. April 2016
    Antworten

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