Meine Erfahrungen mit in vitro Pflanzen

Bundpflanze, Topfpflanze, Portion… Die Aquariumgärtnereien bieten unterschiedlichste Arten von Pflanzen an. Sogar fertig dekorierte Steine und Wurzeln sind erhältlich. In den letzten Jahren hat sich eine weitere „Verpackungsart“ deutlich am Markt etabliert. In vitro Pflanzen bringen viele Vorteile mit, sind aber auch etwas schwieriger zu setzen als andere Pflanzen. Im diesem Beitrag möchte ich meine Erfahrungen mit in vitro Pflanzen schildern und euch einige Tipps mit auf den Weg geben.

Was sind in vitro Pflanzen überhaupt?

In vitro Pflanzen sind sehr junge Pflanzen die unter Laborbedingungen gezüchtet werden. Die Lieferung dieser Pflanzen erfolgt in kleinen Töpfen auf einem Nährboden aus Gel. Durch dieses Gel können in vitro Pflanzen recht lange im Einzelhandel überleben, obwohl sie hier emers, also nicht unter Wasser, gehalten werden.

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Vor- und Nachteile von in vitro Pflanzen

Der unbestrittene Vorteil ist, dass in vitro Pflanzen nicht mit Wasser in Berührung kommen, das möglicherweise unerwünschte Dinge enthält. Viele denken hier jetzt sicherlich an Schwermetalle aus Pflanzendünger, aber den gebe ich nach der Einrichtung des Aquariums eh dazu. Viel wichtiger ist meiner Meinung nach, dass in vitro Pflanzen garantiert keine Schnecken mitbringen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Portionen immer recht groß sind. Da die Pflanzen noch recht klein sind, passen sehr viele in die Dose.

Genau das wirkt sich jedoch auch etwas nachteilig aus. Teilweise sind die Pflanzen so klein, dass sie nur sehr schwer zu pflanzen sind. Bei Stängelpflanzen wie Rotala ‚Bonsai‘ ist das noch nicht so ersichtlich, aber Bodendecker wie Marsilea hirsuta pflanze ich gerne Blatt für Blatt. Das ist eine ganz schön knifflige Aufgabe.

Drei verschiedene In vitro Pflanzen. Das komplette Sortiment von tropica umfasst vor allem etwas besonderen Arten.
Drei verschiedene In vitro Pflanzen. Das komplette Sortiment von tropica umfasst vor allem etwas besonderen Arten.

Setzen von in vitro Pflanzen

Wie schon beschrieben werden in vitro Pflanzen auf einem Nährboden aus Gel geliefert. Ich habe mal eine Rezession gelesen, in der jemand schrieb, dass Garnelen dieses Gel lieben und die ganze Pflanze zerpflücken um daran zu kommen. Das Gel darf natürlich nicht mit in das Aquarium und muss vorher komplett unter fließendem Wasser abgewaschen werden. Nicht nur, dass die Tiere daran gehen, es belastet auch das Wasser.

Ist das Gel komplett entfernt muss die Pflanze portioniert werden. Bei Stängelpflanzen bietet es sich an die Stängel zu vereinzeln. Bei größeren Kriechpflanzen wie Ranunculus inundatus kann man dies durchaus auch noch machen. Bei sehr feinen Pflanzen wie Utricularia graminifolia ist das nicht mehr möglich. Bei diesen Pflanzen wird der „Pflanzenteppich“ einfach in eine angemessene Anzahl Teile geschnitten. Die Größe dieser Teile richtet sich dabei am eigenen Können und dem Platzangebot aus. Mit einer Pflanzpinzette werden die Stängel oder Teile jetzt mit wenigen Zentimetern Abstand in den Boden gesetzt. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Fläche schneller und gleichmäßiger bewächst, wenn die Portionen klein sind und enger gesetzt werden.

Meine Erfahrungen mit in vitro Pflanzen

Ich nutze in vitro Pflanzen sehr gerne, da ich mit nur einem Topf eine sehr große Fläche bepflanzen kann. Außerdem brauche ich mir bei neu eingerichteten Aquarien keine Gedanken darüber machen, ob ich vielleicht Schnecken einschleppe. Auch finde ich, dass diese Pflanzen sehr schnell an die neuen Bedingungen gewöhnt sind und dementsprechend rasch wachsen. Voraussetzung für ein einfaches setzen ist jedoch, dass das Gel wirklich restlos abgewaschen wird. So kann man die Pflanzen ordentlich vereinzeln und mit einer Pflanzpinzette gezielt setzen.

Beim Kauf sollte man aber darauf achten, dass die Pflanze auf einem dicken Nährboden sitzt. Steht die Portion schon länger im Regal des Händlers wird der Nährboden aufgebraucht und ist nicht mehr zu erkennen. In diesem Fall kann man davon ausgehen, dass sich die Wurzeln schon stark ausgeprägt und vernetzt haben. Dann lassen sich die Pflanzen nur noch schwer trennen und sind in der Regel auch nicht mehr wirklich schön. Ich habe es schon erlebt, dass die gekauften Pflanzen schnell eingingen und erst die Jungpflanzen kräftig wuchsen. Das ist nicht der Sinn der Sache da man bei in vitro Pflanzen ja schon Jungpflanzen erwartet.

Diese in vitro Pflanze hat bereits den gesamten Nährboden aufgebraucht. Die Wurzeln sind schon stark vernetzt und lassen sich nur schwer wieder trennen. Auch die Pflanzen selber sind eigentlich schon zu groß für den Topf. Diese Pflanze sollte man im Handel nicht mehr kaufen.
Diese in vitro Pflanze hat bereits den gesamten Nährboden aufgebraucht. Die Wurzeln sind schon stark vernetzt und lassen sich nur schwer wieder trennen. Auch die Pflanzen selber sind eigentlich schon zu groß für den Topf. Diese Pflanze sollte man im Handel nicht mehr kaufen.

Ist die Portion nicht schon etwas zu alt wachsen die Pflanzen sehr schnell an und breiten sich bereitwillig aus. Es ist also durchaus möglich, und auch empfehlenswert bereits von Anfang an zu düngen.

Fazit

In vitro Pflanzen sind eine Bereicherung des Pflanzensortiments für die Aquaristik. Sie sind sehr robust, ergiebig und frei von ungebetenen Gästen. Beim setzen der Pflanzen müssen einige Eigenarten beachtet werden. Obwohl, niemand würde die Steinwolle von Topfpflanzen mit einsetzen. Das Setzen selber kann sich etwas umfangreicher gestalten, da die Pflanzen einer in vitro Portion nicht nur kleiner sondern auch zahlreicher sind. Die Arbeit lohnt sich aber in jedem Fall, da bereits nach kurzer Zeit ein deutliches Wachstum der Pflanzen zu erkennen ist. Es macht Spaß ihnen von klein auf beim Wachsen zu zu sehen.

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2 Kommentare bisher. Was sagst du dazu?

  1. Paul sagt:

    Hey Dirk,
    Vorab schon einmal schöner Beitrag. 🙂 Ich wollte mal fragen, wo du deine Pflanzen denn immer kaufst?
    mfg Paul

    26. Juni 2016
    Antworten
    • Hallo Paul, in diesem Fall habe ich mal online gekauft da die lokalen Einzelhändler oft nicht die Pflanzen haben die ich suche. Lieber kaufe ich aber im einschlägigen Einzelhandel vor Ort, da ich hier genau sehe was ich kaufe. Gruß Dirk.

      27. Juni 2016
      Antworten

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