Mückenlarven als Lebendfutter für Aquarium-Fische

Die im Handel angebotene Fülle von Futter-Sorten für Zierfische ist riesig. Da ist die Verlockung groß, ausschließlich diese „Hauptfutter“ oder „Alleinfutter“ zu geben. Dies wäre jedoch so, als würden wir nur von Dosen-Ravioli leben. Alleine die Vorstellung zeigt uns, wie wichtig es ist abwechslungsreich, insbesondere mit Lebendfutter, zu füttern. Die Beschaffung des Lebendfutters ist leichter als je zuvor. Fast jeder Aquaristik-Händler hat mittlerweile einen kleinen Kühlschrank mit Mückenlarven, Würmern und Krebschen.

Warum Lebendfutter?

Auch wir könnten uns nicht vorstellen nur Convenience-Nahrung zu uns zu nehmen. Nicht nur, dass es uns langweilig würde, auch unser Körper benötigt eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung. Bei unseren Aquarium-Fischen ist es ähnlich. Die meisten von uns gepflegten Arten sind Allesfresser, wie wir, oder leben sogar karnivor, also ausschließlich von tierischer Nahrung. Ein bekannter Vertreter der „Fleischfresser“ ist der Siamesische Kampffisch. Speziell für ihn finden wir spezialisiertes Flockenfutter im Handel. Achtet man jedoch auf die Inhaltsstoffe stellt man fest, dass auch die zu einem großen Teil aus Pflanzlichen Bestandteilen besteht und daher total ungeeignet ist.

Verschiedene Arten Lebendfutter in den gängigen Verkaufsverpackungen.
Verschiedene Arten Lebendfutter in den gängigen Verkaufsverpackungen.

Neben der Abwechslung ist auch der natürliche Jagdtrieb der Fische ein wichtiger Grund Lebendfutter zu nutzen. Durch die Nutzung von Granulat- oder Flockenfutter wird das Jagdverhalten nicht benötigt. Während der Fütterung mit Lebendfutter hingegen wird man eine komplett neue Seite an seinen Fischen kennen lernen. Selbst wenn kein Futter mehr übrig ist sind die Fische viel aktiver, ständig auf der Suche nach Beute.

Eine weitere Spezialanwendung stellt die Zucht dar. Jungfische sind in der Regel zu klein für das Handelsübliche Futter. Auch brauchen sie für ihren schnellen Wachstum Unmengen an Proteinen und Fetten, die im Trockenfutter nicht vorhanden sind. Für die Aufzucht von Jungfischen haben sich daher so genannte Nauplien, die frisch geschlüpften Artemia bewährt.

Verschieden Arten von Lebendfutter

Noch vor wenigen Jahren musste der Aquarianer sein Lebendfutter selber fangen oder züchten. Heute finden wir im Handel Lebendfutter fast so vielfältig wie Fische selbst. Wer selber fängt oder züchtet kann auf ein noch größeres Spektrum bis hin zum Pantoffeltierchen zurückgreifen. Für den „einfachen“ Käufer von Futtertieren haben sich verschiedene Arten von Mückenlarven, Würmern und Krebstieren bewährt. Diese halten sich übrigens auch geöffnet im Kühlschrank etwa eine Woche.

Weiße Mückenlarven sind ein gutes Lebendfutter. In so einer Kunststoff-Dose können sie etwa eine Woche im Kühlschrank aufbewahrt werden.
Weiße Mückenlarven sind ein gutes Lebendfutter. In so einer Kunststoff-Dose können sie etwa eine Woche im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Mückenlarven

Mückenlarven sind das wohl am häufigsten genutzte Lebendfutter. Am häufigsten kommen für uns dazu folgende Mückenlarven zum Einsatz:

  • Die Larve der Büschelmücke, Chaoboridae. Diese kennen wir als „Weiße Mückenlarve“ oder als „Glasstäbchenlarve“.
  • Die Larve der Zuckmücke, Chironomidae. Diese ist uns als „Rote Mückenlarve“ oder als „Blood Worm“ bekannt.
  • Die Larven von Stechmücken, Culicidae, kennen wir als „Schwarze Mückenlarven“.
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Schwarze Mückenlarven sind für Fische die beste Wahl. Diese enthalten die meisten Vitamine und Eiweiße. Schwarze Mückenlarven sind jedoch nur Saisonal zu bekommen. Während wir sie im Sommer aus Regentonnen abfischen können sind sie im Winter auch im Fachhandel nicht erhältlich. Hinzu kommt, dass viele Fische Schwarze Mückenlarven nicht annehmen.

Weiße Mückenlarven in ihrem Verkaufsbeutel. Lebendfutter für Zierfische.
Weiße Mückenlarven in ihrem Verkaufsbeutel. Lebendfutter für Zierfische.

Von Aquarium-Fischen sehr gerne genommen werden rote Mückenlarven. Diese sind ständig über den Fachhandel zu beziehen. Bei roten Mückenlarven ist allerdings zu beachten, dass diese feine Wiederharken besitzen und aufstellen. Insbesondere bei Barschen kann dies dazu führen, dass der Fisch an Verstopfung erkrankt. Außerdem können Rote Mückenlarven Allergien beim Menschen verursachen. Der Hautkontakt sollte daher vermieden werden. Rote Mückenlarven fallen auf den Grund des Aquariums. Dort werden sie von Bodenbewohnern und gründelnden Fischen gefressen. Für Arten die in der mittleren und oberen Wasserregion fressen sind sie daher nicht geeignet.

Zu guter Letzt bleibt uns noch die Weiße Mückenlarve. Sie ist das unkomplizierteste Futtertier. Durch ihre Tracheenbläschen bleibt sie in der Schwebe und verteilt sich im ganzen Aquarium. Sie ist so für alle Fische erreichbar und wird in der Regel auch von allen Fischen angenommen. Da sie quasi ständig im Fachhandel erhältlich ist, kann sie vom Aquarianer auch problemlos beschafft werden.

Würmer

Kleinere Würmer wie Enchyträen, Enchytraeus albidus, finden ebenfalls den Weg in unser Aquarium. Enchyträen sind mit dem uns bekannten Regenwurm verwand, werden aber bei weitem nicht so groß. Sie sind sehr Fett- und Eiweißreich, weshalb sie nur gut dosiert gegeben werden sollten um eine Überfettung der Tiere zu verhindern. Jungfische können die Nährstoffe gut in Wachstum umwandeln.

Enchytraeus albidus.jpg
Enchytraeus albidus“ von Paul Bachhausen – http://www.salamanderseiten.de/weitere/Futtertiere/Enchytraen.htm. Lizenziert unter CC-BY-SA-3.0-de über Wikimedia Commons.

Krebschen

Die für die Fütterung von Zierfischen bekanntesten Krebstiere sind Salinenkrebse, Artemia salina. Wir kennen sie unter den unterschiedlichsten Namen von Artemien bis Uhrzeitkrebse. Auch bei Nauplien handelt es sich um Artemia salina, allerdings in diesem Fall um das sehr kleine, frisch geschlüpfte Tier. Nauplien werden für die Aufzucht von Jungfischen benötigt, da sie neben Pantoffeltierchen zu den wenigen Futtertieren gehören die für frisch geschlüpfte Fische klein genug sind. Unsere ausgewachsenen Zierfische fressen auch gerne ausgewachsene Salinenkrebse.

Artemia salina 1.jpg
Artemia salina 1“ von Hans HillewaertEigenes Werk. Lizenziert unter CC-BY-SA 4.0 über Wikimedia Commons.

Weiterhin werden viele andere Krebstierchen wie Bachflohkrebse, Gammarus pulex, Cyclops oder auch Krill als Lebendfutter gegeben.

Alternativen zum Lebendfutter

Im Zusammenhang mit Lebendfutter hört man auch immer wieder welche Gefahren von eingeschleppten Krankheiten ausgehen können. Durch die mittlerweile industrielle Erzeugung der Futtertiere besteht dieses Risiko kaum noch. Wer dennoch nicht mit Lebendfutter arbeiten möchte kann auf zwei andere Varianten ausweichen.

  1. Frostfutter enthält die gleichen Futtertiere, die man auch lebend kaufen könnte. Nur sind diese halt eingefroren und daher tot. Auch wenn nicht dem Jagdtrieb der Fische nachgegeben wird, so bietet Frostfutter eine willkommene Abwechslung vom Trockenfutter. In diesem Fall ist es auch nicht mehr ganz so problematisch rote Mückenlarven an Barsche zu geben, da die abgestorbenen Mückenlarven nicht mehr ihre Wiederharken aufstellen. Wer Frostfutter verwenden möchte sollte nur die Portion auftauen die auch verfüttert werden soll. Dazu gibt man die Portion in etwas Wasser. Aufgetautes Frostfutter ist nicht sehr haltbar und sollte am selben Tag verfüttert werden. Davon noch gefrorenes Futter ins Aquarium zu geben möchte ich abraten. Besonders schnellen Fressern könnte die Kälte nicht bekommen.
  2. Ähnliche Eigenschaften bringt auch Gelfutter wie Tetra FreshDelica mit. Durch dieses Gelfutter kann der Pfleger eine ganz besondere Beziehung zu seinen Tieren aufbauen. Hält man das geöffnete Tütchen unter Wasser fressen einem die Fische quasi aus der Hand. Aber nicht nur für den Aquarianer ist dies etwas besonderes. Die Fisch schätzen nicht nur die Abwechslung sondern auch die Nährstoffe die nicht nur in den Futtertieren enthalten sind,  auch Gel werden diese zusätzlich zugegeben.

Keine dieser Alternativen kann jedoch den Jagdtrieb der Tiere erfüllen. Daher kann ich nur raten, eine ausgewogene Mischung aus allen hier genannten Varianten anzubieten.

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