Wer möchte noch weiches Wasser in seinem Aquarium?

Die meisten von uns gepflegten Tiere und Pflanzen bevorzugen weiches Wasser. Deutsches Leitungswasser ist regional sehr unterschiedlich. In einigen Regionen lässt sich das Wasser problemlos für alle Süßwasseraquarien verwenden, in anderen zumindest für Barschaquarien oder andere „Hartwasser“-Habitate. Für die meisten Anwendungen, wie die klassischen Südamerika- oder Asienbecken, müssen unsere Bewohner aber mit nicht optimalen Werten leben. Auf den ersten Blick scheint dies unsere Fische nicht weiter zu stören. Oft bleibt jedoch Nachwuchs aus oder anspruchsvolle Pflanzen wachsen nicht wie gewünscht. Ein Zeichen für zu hartes Wasser.

Wasserhärte

Auf der Erdoberfläche kommt reines Wasser, also die chemische Verbindung H2O, nicht vor. Bereits beim Abregnen aus den Wolken werden Fremdstoffe wie Staub aufgenommen und gegebenenfalls gelöst. Bei seinem Weg durch das Erdreich werden weitere Ionen und Erdalkalimetalle gelöst. Am leichtesten lassen sich Magnesium und Calcium lösen.

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Wichtig für die Bestimmung der Qualität unseres Aquariumwassers ist die Karbonathärte und die Gesamthärte. Die für die Karbonathärte maßgeblichen Hydrogencarbonate entstehen durch die Lösung von Kalk durch Kohlensäure. Da die Karbonathärte ein chemischer Puffer ist, wird in der Aquaristik meistens empfohlen eine Karbonathärte von 4 bis 5 °KH nicht zu unterschreiten um einem plötzlichen Abfall des ph-Wertes zu verhindern. Für einige Anwendungen ist jedoch dies schon zu hoch. Die Gesamthärte wird deutlich von der Karbonathärte beeinflusst. Jedoch spielen hier auch andere Faktoren eine Rolle, in erster Linie das eingangs genannte Magnesium und Calcium. Die Summe aller Härtebildner im Wasser gibt die Gesamthärte an.

Hartes Wasser verfügt also über viele Härtebildner, weiches Wasser über weniger. Um die Wasserhärte für unser Aquarium gezielt zu senken können wir Wasser nutzen das bekannterweise bereits sehr weich ist oder Wasser welches frei von jeglichen Ionen und Erdalkalimetallen ist. Dazu zählen neben Regenwasser auch demineralisiertes Wasser und das sogenannte Osmosewasser.

Regenwasser

Die Nutzung von Regenwasser ist wohl die einfachste Möglichkeit auf das harte Leitungswasser zu verzichten. Einige Aquaristik-Fachhändler, wie zum Beispiel auch Aquarium Holstein in Heidgraben, sammeln Regenwasser und geben dieses, Verfügbarkeit vorausgesetzt, an ihre Kunden ab. Aber Regenwasser zu sammeln kann eigentlich fast jeder. Voraussetzung ist ein ausreichend großer Sammelbehälter und die Möglichkeit das Wasser vom Dach oder anderen Flächen in diesen Behälter zu leiten. Idealerweise wird das Wasser schon hier über Netze oder Schwämme gefiltert und von Laub und anderem groben Schmutz befreit.

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Letzte Aktualisierung am 20.09.2017 um 23:42 Uhr

Der Vorteil von Regenwasser ist, dass es bereits in der Atmosphäre und durch die Berührung mit dem Dach einige Salze aufgenommen hat und demnach die Härte nicht bei 0 liegt. Dennoch handelt es sich um sehr weiches Wasser. So kann Regenwasser in vielen Fällen ohne weitere Behandlung verwendet werden. Nachteilig ist jedoch, dass die Aufnahme von Stoffen in der Umwelt von uns nicht beeinflusst werden kann. So kann es sein, dass auch schädliche Stoffe, zum Beispiel aus Industrieabgasen, enthalten sind. Auch unterliegen alle Werte natürlichen Schwankungen die insbesondere von unterschiedlichen Wetterlagen beeinflusst werden.

Eine interessante Untersuchung zur Eignung von Regenwasser im Aquarium hat Dr. Gerd Kassebeer auf Weichwasserfische veröffentlicht. Demnach scheint sich die Qualität von Regenwasser bis zum Zeitpunkt der Untersuchung im Vergleich zu früheren Messungen und Erfahrungen verbessert zu haben. Jedoch liegt die Untersuchung schon einige Zeit zurück. Ich gehe davon aus, dass sich durch steigenden Druck auf die Industrie die Wasserqualität mittlerweile weiter verbessert hat. Eine erneute Messung würde hier Gewissheit bringen.

Demineralisiertes Wasser

Demineralisiertes Wasser hat viele Namen. So ist es auch als vollentsalztes Wasser oder deionisiertes Wasser im Handel erhältlich. In der Regel wird es durch einen Ionentauscher gewonnen der zum Beispiel Calcium und Magnesium Ionen gegen Natrium Ionen austauscht. Bei diesem Schritt würden wir genau die falschen Härtebildner verlieren, denn während ein hoher Anteil an Karbonaten ungewünscht ist, wird Calcium und Magnesium in geringen Mengen von unseren Pflanzen benötigt. Durch weitere Schritte werden jedoch auch noch alle anderen unerwünschten Salze entfernt.

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Von TimVickersEigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4375220

Oft wird demineralisiertes Wasser noch sterilisiert und so als destilliertes Wasser angeboten. Da jedoch immer ein Austausch-Ion eingebracht werden muss kann es nie die selbe Qualität erreichen wie tatsächlich destilliertes Wasser. Die Bedeutung für die Aquaristik ist eh gering. Mit einem Preis ab 40 Cent je Liter ist demineralisiertes Wasser auch für kleine Aquarien zu teuer. Sich selber Anlagen zum Ionentausch zu unterhalten erachte ich auch, insbesondere wegen des hohen Wartungsaufwandes, für unwirtschaftlich. Über den Preis für tatsächlich destilliertes Wasser brauchen wir bei den momentanen Energiepreisen wohl gar nicht erst nachdenken.

Osmosewasser

Die wohl ansprechendste Methode stellt die Verwendung von Osmosewasser dar. Hierbei wird Leitungswasser mittels Umkehrosmose aufbereitet. Werden zwei Lösungen mit unterschiedlichen Konzentrationen durch eine semipermeable Membran getrennt, wandern die Wassermoleküle auf die Seite mit der höheren Konzentration um das Konzentrationsgefälle auszugleichen.

Im Falle einer reifen Kirsche im Sommerregen liegt in der Kirsche ein höherer Zuckergehalt vor als in dem umgebenden Regenwasser. Das Wasser wird also in die Kirsche eindringen bis der Druck sie zum platzen bringt. Würde sie nicht platzen erhöhte sich der Druck soweit, bis er ein Eindringen von weiterem Wasser nicht mehr möglich macht. Ein künstlich noch weiter erhöhter Druck hätte zur Folge, dass die Wassermoleküle wieder zurück wandern. Man spricht jetzt von einer Umkehrosmose. Der Druck der Wasserleitung reicht in unserem Fall aus um das Wandern des Wassermoleküls durch die semipermeable Membran zu ermöglichen. Alle anderen Moleküle bleiben zurück.

Reife Kirschen platzen oft im Regen, da weiches Wasser durch die Schale in das zuckerhaltige Innere wandert.
Reife Kirschen platzen oft im Regen, da weiches Wasser durch die Schale in das zuckerhaltige Innere wandert.

 

Da sowohl die Gesamthärte als auch die Karbonathärte von Osmosewasser bei 0 liegen ist es leicht für aquaristische Zwecke aufzubereiten. Auch die Verfügbarkeit macht es interessant. Eine eigene Anlage kann man schon ab 50 Euro kaufen. Aber auch viele Fachhändler bieten Osmosewasser an. Im Bereich der Meerwasseraquaristik hat sich das System etabliert. Der Preis im Handel liegt zwischen 10 und 30 Cent je Liter womit Osmosewasser deutlich erschwinglicher ist als demineralisiertes Wasser.

Wie weiches Wasser auch gegen Algen hilft

Ganz ohne Salze kommen unsere Pflanzen nicht aus. Es ist also notwendig immer eine gewisse Gesamthärte vorliegen zu haben. Hydrogencarbonate sind für den Pflanzenwuchs jedoch ehr hinderlich. Es ist daher naheliegend mit einer der oben genannten Möglichkeiten eine niedrige Karbonathärte und eine mäßige Gesamthärte einzustellen wie sie für weiches Wasser charakteristisch ist. Hierdurch wird der Pflanzenwuchs schon einmal unterstützt und eine Nährstoffkonkurrenz für Algen aufgebaut. Um ein Nährstoffgleichgewicht zu halten ist jetzt außerdem noch notwendig eine angemessene Beleuchtung sowie Düngung vorliegen zu haben. Diese umfasst auch die Zugabe von CO2.

Cryptocoryne mit Blaualgenbefall.
Cryptocoryne mit Blaualgenbefall.

Letztere ist bei einer Karbonathärte die unterhalb der so häufig empfohlenen Grenze von 4 °KH liegt unbedingt zu empfehlen. Im Gegensatz zu höheren Pflanzen besitzen viele Algen die Fähigkeit ihren CO2-Bedarf durch die sogenannte Biogene Entkalkung zu decken. Nicht nur, dass die Zierpflanzen aufgrund des Mangels an nur einem Nährstoff nicht mehr mit den Algen um andere Nährstoffe konkurrieren können, auch die als Säurepuffer benötigten Karbonate werden abgebaut und das Risiko des Säuresturzes steigt.

Eine niedrige Karbonathärte in Kombination mit CO2-Zugabe lässt zwar den ph-Wert auf den ersten Blick ungewöhnlich abfallen, ist aber die beste Maßnahme gegen Algen und auch gegen den Säuresturz. Beides fördert den Pflanzenwuchs und stellt so für Algen ungünstige Nährstoffbedingungen ein. Gleichzeitig wird dem Abbau von Hydrogencarbonat entgegengewirkt. So reicht bereits eine geringe Karbonathärte aus um den ph-Wert sicher zu puffern. Ich selbst fahre ein Nano-Aquarium mit einer Gesamthärte von 6 °GH und einer Karbonathärte weit unter 1 °KH. Der ph-Wert liegt in diesem Becken bei 6.

Anwendung

Wenn Regenwasser bereits ausreichend aufgehärtet ist, kann man es schon unbehandelt einsetzten. Mit Osmosewasser ist dies nicht möglich. Auch wenn wir weiches Wasser anstreben, eine Gesamthärte von 0 ist dann doch zu weich. Je nach Einsatzzweck bieten sich zwei Möglichkeiten an.

Zum einen kann das weiche Wasser genutzt werden um unser hartes Leitungswasser zu verdünnen. Bei einem Mischungsverhältnis von 1:1 mit Osmosewasser würden die Härtewerte des Leitungswassers halbiert werden. Bei der Verwendung von Regenwasser ist die Verdünnung nicht ganz so ausgeprägt, da dieses bereits eine eigene Härte mitbringt. Bei diesem Verfahren werden Gesamthärte und Karbonathärte im gleichen Maßstab beeinflusst. Für viele Gesellschaftsaquarien ist das in Ordnung. Da die Karbonathärte einen Großteil der Gesamthärte ausmacht werden wir diese aber für spezielle Anwendungen nicht ausreichend gesenkt bekommen ohne die Gesamthärte über unsere Vorstellungen hinaus zu reduzieren.

Aus Osmosewasser lässt sich leicht weiches Wasser für das Aquarium Herstellen. Durch dieses Spezialsalz wird die Gesamthärte und die Karbonathärte im Verhältnis 1,0 : 0,06 angehoben. Ein Messlöffel reicht für 20 Liter.
Aus Osmosewasser lässt sich leicht weiches Wasser für das Aquarium Herstellen. Durch dieses Spezialsalz wird die Gesamthärte und die Karbonathärte im Verhältnis 1,0 : 0,06 angehoben. Ein Messlöffel reicht für 20 Liter.

Zum zweiten kann das weiche Osmosewasser gezielt aufgesalzt werden. Im Fachhandel sind hierzu unterschiedliche Salzmischungen erhältlich. Im Regelfall ist eine als GH/KH+ bezeichnete Mischung ausreichend. Durch diese wird sowohl die Karbonathärte als auch die Gesamthärte deutlich angehoben. Das Verhältnis zwischen Karbonathärte und Gesamthärte ist jedoch günstiger als bei der Verdünnung mit Leitungswasser. Durch spezialisierte Salze können auch speziellere Wasserqualitäten wie Meerwasser eingestellt werden. Auch sehr große Unterschiede zwischen Karbonathärte und Gesamthärte sind durch spezielle Garnelensalze möglich. Bei derart extremen Werten empfehle ich auf jeden Fall diese regelmäßig zu überprüfen. Ein Testkoffer wie der von Tetra bietet sich an.

Fazit

Wer in seinem Aquarium mit weichem Wasser arbeiten möchte kann durchaus mit Regenwasser arbeiten. Jedoch muss man sich hier fragen, ob man bereit ist mit den Schwankungen und der geringen Beeinflussbarkeit der Wasserwerte zu leben. Wer dem Zufall nicht so viel Verantwortung überlassen möchte kommt an der Verwendung von Osmosewasser nicht vorbei. Bei diesem Wasser wurde auf „Reset“ gedrückt und alle Werte können von Null an neu eingestellt werden. Dies bietet volle Kontrolle. Für kleinere Aquarien kann Osmosewasser im Fachhandel beschafft werden, bei größeren Projekten lohnt sich der Betrieb einer eigenen Osmoseanlage.

In den meisten Fällen ist weiches Wasser eine Bereicherung für Fische und Pflanzen. Daher sollte sich eigentlich jeder Aquarium-Besitzer mit diesem Thema auseinandersetzten.

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Letzte Aktualisierung am 20.09.2017 um 22:59 Uhr

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7 Kommentare bisher. Was sagst du dazu?

  1. Sehr gut erklärt. Wir benutzen immer Osmosewasser, um unsere Meerwasseraquarien zu befüllen. Dahinter haben wir ein Mischbettharz geschaltet um absolut auf null zu kommen. Ist im Meerwasser sicherer. Grüße aus Mainz

    22. Mai 2016
    Antworten
  2. Florian sagt:

    Danke für die Idee mit dem Osmosewasser. Hilft wirklich wunder!

    mfG Florian

    14. Juni 2016
    Antworten
  3. Thorsten sagt:

    Ich finde die Idee mit dem Osmosewasser auch genial! Auf http://www.aquarium-kaufen24.net habe ich allerdings gelesen, dass sich auch für kleinere Aquarien schon eine Osmoseanlage eignet. Kannst du dem zustimmen, oder wollen die nur verkaufen?

    15. August 2016
    Antworten
    • Hallo Thorsten, einfache Osmoseanlagen wie diese hier bekommt man schon für 50 bis 60 Euro. Für mein 16 Liter Cube kaufe ich Osmosewasser für 5 Euro je 20 Liter Kanister. Mit dem Kanister komme ich dann einen Monat aus. Trotz der sehr kleinen Beckengröße hätte sich eine eigene Anlage demnach schon nach etwa einem Jahr amortisiert. Da die Kapazität de Anlage wesentlich höher ist als mein Bedarf würde ich sie aber nur sporadisch nutzen. Die Membran würde demnach zwischen den Nutzungsphasen ständig trocknen. Ich habe keine Ahnung wie sich das auf die Lebenserwartung der Membran auswirkt, ich denke jedoch, dass sie relativ häufig ausgetauscht werden müsste. Falls jemand Erfahrunge damit hat würde ich mich über diese sehr freuen. Gruß Dirk.

      19. August 2016
      Antworten

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