Aquaterrarium | Definition, Beispiele, Technik und Besatz

Das Aquaterrarium, auch Paludarium oder Sumpf- und Uferterrarium genannt, ist eine Kombination aus Aquarium und Terrarium. Das tropische Terrarium wird um einen großen Wasseranteil ergänzt. Die Lebensräume Wasser und Land werden im Paludarium miteinander verbunden. Hier ist sowohl das Wissen aus der Terraristik als auch aus der Aquaristik gefragt. In freier Natur sind die Übergänge zwischen Wasser und Land fließend. Um den exotischen Bewohnern ein möglichst natürliches Umfeld zu schaffen, ist ein Aquaterrarium bestens geeignet.

Von der Natur inspiriert

Handelt es sich bei einem Aquaterrarium um ein Aquarium mit integriertem Land oder doch um ein Terrarium mit einem großzügigen Wasseranteil? Wie der Name schon verrät, schafft es einen Lebensraum für Pflanzen und Tiere, die sich an Land und im Wasser wohlfühlen. Die weitere Bezeichnung Paludarium verdeutlicht es. Denn dieser Name leitet sich vom lateinischen Wort „palus“ ab, was übersetzt „Sumpf“ heißt. Gestalter eines Paludariums lassen sich von der Natur inspirieren. Denn dort ist Land und Wasser schwer voneinander zu trennen.

Der Landschaft eines Sumpfes nachempfunden, finden sich in einem Aquaterrarium bepflanzte Ufer, feuchte Erde und ein großer Bereich, der sich unter der Wasseroberfläche befindet. Das nachempfundene Ökosystem bildet einen vollständigen Lebensraum für Flora und Fauna, die sowohl an Land als auch im Wasser leben können. Viele Aquarienpflanzen, wie beispielsweise die verschiedenen Echinodorusarten, wachsen in der Natur in Ufernähe. In einem Aquaterrarium haben die Wasserpflanzen die Möglichkeit, sich gleichsam über Wasser zu entwickeln und zu blühen.

Klassische Bewohner eines Aquaterrariums sind Exoten wie Amphibien und Reptilien, die sich in beiden Elementen gleichermaßen wohlfühlen. Dazu zählen verschiedene Froscharten, Molche und Schildkröten.

Vor- und Nachteile eines Aquaterrariums

Ein Paludarium kann die Natur nicht ersetzen, doch im Gegensatz zu den einseitigen Alternativen bietet es seinen Bewohnern einen vielfältigen Lebensraum. Bevor die Entscheidung für ein Aquaterrarium fällt, sollte man sich mit den besonderen Anforderungen auseinandersetzen. Der kombinierte Lebensraum aus Wasser und Land setzt Kenntnisse in Terraristik und Aquaristik voraus. Das Ziel muss sein, die beiden Lebensräume für Pflanzen und Tiere möglichst naturgetreu nachzubilden.

Aus diesem Grund ist die Schaffung eines Paludariums für den Halter mit einem gewissen Aufwand verbunden. Die hohe Luftfeuchtigkeit und die Hygiene können für Herausforderungen sorgen. Eine vollständige Reinigung ohne Eingriff in die geschaffene Landschaft ist beinahe unmöglich. Es ist zu empfehlen, neue Aquaterrarium-Bewohner erst einzusetzen, wenn sie nachweislich keim- und parasitenfrei sind.

Kein Aquaterrarium ist wie das nächste. Abhängig von der Art der Bewohner entstehen individuelle Landschaften. Die Bepflanzung, das Verhältnis von Wasser und Land sowie der Bodengrund hängen von den Ansprüchen der ausgewählten Tiere ab. Fische, die in einem Aquaterrarium gehalten werden, fühlen sich deutlich wohler als im reinen Aquarium. Denn die eingesetzten Pflanzen und ihre Wurzeln bieten ihnen Schutz wie im natürlichen Ufer. Oftmals ist auch die Qualität des Wassers besser, denn die Pflanzenwurzeln ragen aus dem Landteil direkt ins Wasser und entziehen dem kleinen Ökosystem auf diese Weise etliche Schadstoffe.

Das Aquaterrarium einrichten

Der Landteil im kleinen nachempfundenen Ökosystem kann auf eine eingebaute Konstruktion aus Glas gesetzt werden. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Ausbildung einer Rückwand oder im Aufbau mit verschiedenen Wurzeln. In den kombinierten Lebensraum lässt sich ein Bachlauf integrieren, welcher durch den Hintergrund des Paludariums fließt.

Für die Bepflanzung eignen sich verschiedene Farne, das Speerblatt, Javamoos und der Kletter-Ficus. Auch Orchideen finden im Aquaterrarium optimale Wuchsbedingungen. Der Gestaltung sind keinerlei Grenzen gesetzt. Allerdings sollte sie immer an die Ansprüche der darin lebenden Tiere angepasst sein.

Was es bei der Einrichtung zu beachten gibt

Bei der Einrichtung müssen die Bedürfnisse der eingesetzten Tierart berücksichtigt werden. Sie sollte einen artgerechten Lebensraum nachbilden. Hier spielen die richtige Beleuchtung, der Wasserstand und die Höhe der Luftfeuchtigkeit eine wichtige Rolle.

Das eingebrachte Land im Aquaterrarium ist einem Sumpfgebiet nachempfunden. Es ist bepflanzt mit dichten Farnen, Javamoos, Schilf und Bambus, welches auf einen Bodengrund aus Kies, Torf oder Humus gebettet ist. Der Wechsel von Land zu Wasser sollte durch die Einrichtung unterstützt werden. Eine ins Wasser ragende Wurzel bietet sich an. Es gilt zu beachten, dass es eine klare Abgrenzung von Land und Wasser gibt. Denn sonst könnte der Boden aufweichen oder das Wasser durch zu viel Bodengrund verunreinigt werden.

Mein Paludarium mit Unterschrank
Das Terrarium ist ein Exoterra mit einer Kantenlänge von 45 x 45 x 45 cm.

Der Stand des Wassers bereitet vielen Besitzern eines Aquaterrariums Kopfzerbrechen. Er darf weder zu niedrig, noch zu hoch sein. Fehlt den Wasserbewohnern ein ausreichend großer Lebensraum unter Wasser, könnte dies lebensbedrohlich für sie werden. Im Gegenzug können Tiere, die am Wasser leben, ertrinken, wenn der Wasserstand zu hoch ist. Aus diesem Grund sollte das Aquaterrarium möglichst wenige verschiedene Arten beherbergen. Andernfalls wird es schwierig, alle Ansprüche gleichermaßen zu erfüllen.

Wichtige Technik im Paludarium

Ähnlich wie in einem Aquarium muss das Wasser im Paludarium gefiltert werden. Ein Wasserfilter ist unerlässlich, um den Tieren einen sauberen Lebensraum zu ermöglichen. Ein Vernebler kann sinnvoll sein, um die hohe Luftfeuchtigkeit zu gewährleisten. Wer in sein Paludarium gerne einen Wasserfall integrieren möchte, kommt um die Pumpentechnik nicht herum. Dieser sorgt nicht nur für Bewegung im Wasser, sondern erhöht die Luftfeuchtigkeit natürlich.

Die Beleuchtung richtet sich nach den Bewohnern des Aquaterrariums. Amphibien benötigen kein UV-Licht, Reptilien hingegen schon. Sie fordern unter Umständen sogar verschiedene Temperaturzonen. Ein Spot-Strahler bietet sich zur Trocknung an.

Geeignete Bewohner im Aquaterrarium

Grundsätzlich bietet sich ein Aquaterrarium vor allem für Tierarten an, die in freier Wildbahn feuchtwarme Ufer und Sumpflandschaften ihr Zuhause nennen. Dies reicht von Fröschen über Schildkröten bis hin zu Agamen.
Diese Exoten fühlen sich in der Kombination aus Wasser und Land wohl:

• Amerikanischer Ochsenfrosch
• Axolotl
• Colorkrabbe
• Landeinsiedlerkrebs
• Moschusschildkröte
• Rotaugenfrosch
• Strumpfbandnatter
• Tigersalamander

Der Schützenfisch ist ein geeigneter Besatz für große Aquaterrarien. Er jagt Insekten, die auf Blättern über ihm sitzen, indem er einen Wasserstrahl auf sie schießt. Dies lässt sich im Paludarium gut mit Futterinsekten beobachten.

Fazit

Ein Aquaterrarium kombiniert zwei grundsätzlich verschiedene Lebensräume zu einem neuen, ganz eigenen Ökosystem. Es bietet bei einer entsprechenden Einrichtung den optimalen Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Um allen Bedürfnissen gerecht zu werden, sollte man sich für die Haltung von wenigen Tierarten entscheiden. Das Aquaterrarium ist zwar in der Pflege anspruchsvoll, dennoch überwiegen die lohnenswerten Aspekte.

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