Bau eines Lampenhalters für Wabi-Kusa

In der Aquaristik gibt es immer wieder neue Moden. Das klassische Gesellschaftsaquarium ist fast schon gar nicht mehr in. Heute hat man Biotopaquarien oder Aquascapes. Seit einiger Zeit beschäftigt uns eine sehr moderne Form, bei der man kaum noch weiß, ob das tatsächlich noch Aquaristik ist: das Wabi-Kusa. Bislang handelt es sich hierbei noch um so eine kleine Nische, dass die namhaften deutschen Hersteller hierfür kaum Zubehör auf den Markt bringen. Vor allem bei Beleuchtungen für Wabi-Kusa bekommt man Beschaffungsschwierigkeiten.

Was ein Wabi-Kusa ist

Ein Wabi-Kusa ist eigentlich nur eine bepflanzte Kugel aus Aquarium-Soil. Die Idee stammt aus Japan. Genutzt werden können diese Kugeln auf zwei Weisen. Zum einen kann ein fertig bepflanztes Wabi-Kusa-Pad so wie es ist in ein Aquarium eingesetzt werden. So muss nicht jede Pflanze einzeln gesetzt werden und es kann gleich ein ganzer Pflanzenblock in das Aquarium eingebracht werden. Zum anderen hat sich die Möglichkeit etabliert die Pads als eigenständiges Element in einer Glasschale zu pflegen.

Die zweite Variante ist besonders interessant, da unsere bekannten Aquariumpflanzen hier nicht submers (unter Wasser) sondern emers (über Wasser) gehalten werden. Das ist möglich, weil die meisten von uns genutzten Pflanzen keine reinen Wasserpflanzen, sondern Sumpfpflanzen sind. Es ist also vollkommen ausreichend wenn die Wurzeln im Wasser stehen. In diesem Zustand entwickeln die Pflanzen teilweise ein komplett anderes Aussehen als wir es aus dem Aquarium kennen. Zur Haltung verwendet man eine Glasschale in die das Pad gelegt wird. Bei einem Wasserstand von wenigen Zentimetern stehen die Wurzeln im Wasser und simulieren den Wuchs im Sumpf.

Warum Aquarium-Beleuchtungen für ein Wabi-Kusa nutzen?

Theoretisch könnte man ein Wabi-Kusa auch ohne Beleuchtung betreiben. Das setzt aber einen hellen Platz an einem Fenster voraus und wird vermutlich auch dann nur in den Sommermonaten funktionieren. Zumindest bei mir in Norddeutschland sind die Tage im Winter einfach zu kurz. Idealerweise setzten wir also eine zusätzliche Beleuchtung ein, die sicherstellt, dass die Pflanzen über das ganze Jahr eine angemessene Lichtmenge bekommen.

Da es sich bei Wabi-Kusa um eine sehr kleine Nische handelt ist es schwer spezielles Zubehör zu bekommen. Einige wenige Hersteller dafür sitzen in Japan, diese Produkte werden aber so gut wie nicht nach Europa importiert. Eine Möglichkeit seine Pflanzschale zu beleuchten sind Lampen für klassische Zimmerpflanzen. Diese haben jedoch meistens einen unschönen Rotstich oder sind einfach nicht leistungsstark genug. Es liegt also nahe die gleichen Lampen zu verwenden wie wir es auch für eine submerse Haltung tuen würden. Besonders die Lampen für die Nano-Aquaristik bieten eine sehr schöne, hohe Farbtemperatur, ein für die Pflanzen geeignetes Lichtspektrum sowie eine ausreichende Lichtmenge von rund 500 Lumen.

Die Dennerle NanoStyle LED M 6W ist mit acht LED-Chips bestückt.
Die Dennerle NanoStyle LED M 6W ist mit acht LED-Chips bestückt.

Einen Lampenhalter für Wabi-Kusa selber bauen

Jetzt haben wir ein wunderschön bepflanztes Pad, eine ästhetische Glasschale und eine Lampe aus der Nano Aquaristik wie der Dennerle NanoStyle LED M. Doch diese Lampe ist so konstruier, dass sie an gerade Aquarienscheiben von vier bis fünf Millimeter Dicke passen. Unsere Schale ist aber nicht nur dicker, sie ist auch noch gewölbt. Es passt nicht zusammen. Hier hilft ein Lampenhalter aus Acrylglas an dem die Lampe so befestigt werden kann, dass sie sich über der Schale befindet. Mit etwas handwerklichem Geschick kann man so etwas selber bauen.

Acrylglas lässt sich mit vielen Methoden leicht verarbeiten. Unter anderem durch Kleben. Bei diesem Verfahren müssen die zu verbindenden Teile jedoch einige Zeit in der endgültigen Position fixiert werden. Ich befürchte, hier werden am Ende die Winkel nicht rechtwinkelig sein oder der Halter wird aus anderen Gründen irgendwie krumm und schief aussehen. Aus diesem Grund möchte ich einen Lampenhalter bauen ohne zu kleben. Die Alternative ist biegen. Das hat einen gewissen Charm, da der eigentliche Körper des Lamenhalters ausschließlich aus einem Teil bestehen wird.

Das Vormaterial

Acrylglas ist unter verschiedenen Namen auf dem Markt unterwegs. Die genaue Bezeichnung für den Kunststoff ist Polymethylmethacrylat oder kurz PMMA. Da man sich diese Bezeichnung weder merken noch aussprechen kann wird das Produkt auch als Acrylglas bezeichnet. Häufig trifft man auch auf die Bezeichnung Plexiglas. Dabei handelt es sich um den gleichen Kunststoff, jedoch ist dies ein Markenprodukt von Evonik.

Acrylglas eignet sich besonders gut für den Einsatz als Lampenhalter, da es nicht nur leicht zu verarbeiten ist, es ist auch etwa 40% leichter, dabei aber etwa 30 mal stärker als normales Glas. Für einen Lampenhalter bietet sich die transparente Farbvariante an. Diese ist mit einer Lichdurchlässigkeit von 90% glasklar was aufgrund der UV-Stabilität auch so bleibt.

Dieses eine Teil ist bei mir ein einfacher Zuschnitt von 130 x 510 mm. Ausgewählt habe ich dafür eine transparente Acrylglasplatte mit einer stärke von 4 mm. Ein bisschen aufpassen muss man noch bei der Qualität. Es gibt die Platte sowohl in einer XT- als auch in einer GS-Variante. Der Unterschied liegt in der Herstellungsmethode. Bei der Variante XT handelt es sich um eine extrudierte Platte während die Variante GS gegossen wird. Dieser Unterschied wirkt sich auf die Eigenspannungen in der Platte aus wodurch die extrudierte XT-Variante bei der Bearbeitung mehr zu Spannungsrissen neigt als die gegossenen GS-Platten. Für einen gebogenen Lampenhalter sollte man daher lieber ein paar Cent mehr investieren und die gegossene Platte wählen. Ein geklebtes Produkt kann durchaus auch aus der extrudierten Patte hergestellt werden. Sehr schnell und unkompliziert haben mich die Platten per Kurierdienst von kunstoffplattenonline.de erreicht.

Ecken abrunden

Die Platten kommen mit einer Schutzfolie auf beiden Seiten. Im ersten Moment ist man sich nicht sicher, ob es wirklich eine transparente Platte ist. Bevor man die Folien abzieht sollte man sich aber genau überlegen, was man noch mit der Platte vor hat. Während der mechanischen Bearbeitung bieten diese Folien einen sehr guten Schutz und sollten so lange wie möglich nicht entfernt werden. Hat man mit einem Werkzeug erstmal einen Kratzer in eine ungeschützte Fläche gekratzt ist dieser nur schwer wieder weg zu bekommen.

Der Zuschnitt ist natürlich rechteckig, praktisch, gut. Kann man so lassen, muss man aber nicht. Mich störten direkt die scharfen Ecken und für mich war klar, dass diese abgerundet werden müssen. Am besten macht man das mit einer feinen Feile. Je feiner die Feile, desto weniger Arbeit hat man später eventuell mit dem Schleifen und Polieren. Eine feinere Feile bedeutet aber auch, dass man weniger Material abnimmt und länger feilen muss. Das Abrunden der Ecken erfordert schon etwas Geschick damit diese nicht ungleichmäßig oder oval werden.

Kanten polieren

Etwas mehr Schwierigkeiten bereitete mir das Polieren der Kanten. Diese zeigen im Zuschnitt eine typische Sägekante die zwar schor rech fein ist, aber doch eine gewisse Welligkeit hat. Auch hier gilt: Es kann so bleiben wenn man es nicht noch schöner haben möchte. Ich habe lange überlegt ob ich die Kanten in diesem Zustand lassen soll bis ich mich dazu entschlossen habe, dass sie poliert werden sollen. Für ein Flammpolieren ohne Vorbehandlung reicht die Lieferqualität aber definitiv nicht aus.

Die Sägekante der Acrylglasplatte zeigt eine interessante, matte Optik mit scharfen Kanten. Sie zu polieren ist Geschmacksache.
Die Sägekante der Acrylglasplatte zeigt eine interessante, matte Optik mit scharfen Kanten. Sie zu polieren ist Geschmacksache.

Das Schleifen mit Schmirgelpapier funktioniert wieder mal sehr gut, nur mit den Körnungen habe ich mich gewaltig verschätzt. Im ersten Versuch habe ich in zwei Stufen mit Körnung 180 und 320 geschliffen. Beim Polieren mit der Flamme zeigten sich direkt zwei Fehler. Zum einen ist die Oberfläche noch lange nicht glatt genug, zum anderen wird nicht genug Material abgetragen um die Welligkeit zu beseitigen. Eine ausreichende Schleifqualität konnte ich erst mit deutlich mehr Schleif-Stufen erreichen.

Das eigentliche Flammpolieren habe ich mit einem Desertbrenner durchgeführt. Dieser muss so klein wie möglich eingestellt werden da das Acrylglas offensichtlich weniger Hitze benötigt als Crème brûlée. Um wirklich nur die Oberfläche zu behandeln und den Einfluss der Wärme auf die übrige Platte so gering wie möglich zu halten muss man etwas ausprobieren wie man den Brenner am besten hält. Vor allem wenn die Flamme zu steil auf die Oberfläche trifft hat man unheimlich schnell Aufschmelzungen im umliegenden Bereich. Es kann sogar passieren, dass die Platte selber Feuer fängt.

Die Kante der Acrylglasplatte des Lampenhalters nach dem Flammpolieren.
Die Kante der Acrylglasplatte des Lampenhalters nach dem Flammpolieren.

Biegen

Diesen Schritt habe ich mir vorab am schwersten vorgestellt. Tatsächlich habe ich auch fast gedacht den Lampenhalter nie in seine Form gebogen zu bekommen. Laut einem Datenblatt von Evonik soll die optimale Biegetemperatur bei etwa 160°C liegen. Mit einem normalen Fön habe ich es nicht geschafft diese Temperatur in der Platte zu erreichen. Bei einem einstellbaren Heißluftgebläse habe ich mich dann bis zu einer Gebläetemperatur von etwa 700°C hochgetastet bis sich die Patte biegen ließ. Das eigentliche Umbiegen der mit einer Schraubzwinge zwischen einem Brett und Werkbank verspannten Acrylglasplatte ging dann ganz plötzlich sehr einfach. Auch meine Befürchtungen nicht auf Anhieb den richtigen Biegewinkel zu treffen oder schräg zu biegen haben sich nicht bewahrheitet.

Idealerweise nutzt man zum Biegen aber eine Abkantbank. Speziell zum Biegen von Acrylplatten sind diese mit einem erhitzbaren Draht ausgestattet, der die zu biegende Stelle gezielt erwärmt. Wer sich so eine Abkantbank baut kann dann auch Anschläge anbringen um alle Winkel richtig zu treffen.

 

Der Lampenhalter mit abgerundeten Ecken, flammpolierten Kanten und Gummifüßen.
Der Lampenhalter mit abgerundeten Ecken, flammpolierten Kanten und Gummifüßen.

Zusammenfassend

Wabi-Kusa sind eine moderne Möglichkeit Aquariumpflanzen in ein neues Licht zu setzten. Aber hier fängt das Problem schon an. Da dieser Stil noch sehr wenig verbreitet ist werden auch kaum Standardlösungen für die Beleuchtung angeboten. Mit einem passenden Lampenhalter kann man aber verfügbare Lampen aus der Nano-Aquaristik einsetzten. Mit etwas handwerklichem Geschick kann man diese aus Acrylglas selber bauen. Entweder wie ich in einer gebogenen, einteiligen Variante, oder auch mit speziellem Kleber aus mehreren Teilen geklebt.

Ein fertiger Lampenhalter mit einer Dennerle NanoStyle LED M und einer Glasschale für Wabi-Kusa.
Ein fertiger Lampenhalter mit einer Dennerle NanoStyle LED M und einer Glasschale für Wabi-Kusa.
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