Biotope für Labyrinthfische als Spezialisten für stehender Gewässer Asiens

Als genügsamer Anfängerfisch, der sich auch in kleinen Aquarien problemlos halten lässt, hat der Siamesische Kampffisch viele Aquarianerkarrieren zu Beginn begleitet. Manch einer nutzt dies als Einstieg in die bunte Welt der Labyrinthfische Südostasiens. Wer sich mit selteneren Kampffisch-, Fadenfisch- oder Guramiarten beschäftigen möchte, kommt bald mit jenen asiatischen Biotopen in Berührung, die deren zusätzliche Luftatmung erst erforderlich machen.

Wie leben Labyrinthfische in der freien Natur?

In Südostasien leben Labyrinther in einer Reihe an Gewässertypen. Mitunter findet man sie auch in sauerstoffreichen und dicht bepflanzten Fließgewässern. Da die meisten von ihnen aber eine geringe Wasserbewegung bevorzugen, finden sie sich dann besonders in strömungsarmen Nebenarmen wieder. Durch Überschwemmungen geraten viele von ihnen aber auch in Sumpfgebiete, in Tümpel oder in Reisfelder, aus denen sie nach Zurückweichen des Wassers nicht mehr entfliehen können.

Geschieht eine solche Isolation in ein stehendes Gewässer, setzen Labyrinthfische ihr namensgebendes Labyrinthorgan ein. Damit sind sie in der Lage, auch Sauerstoff aus der atmosphärischen Luft zu atmen. Somit ist es für sie unerheblich, wenn der Sauerstoffgehalt in winzig kleinen Tümpeln immer weiter sinkt. Da viele dieser überschwemmten Erdlöcher oder Gräben nach der Regenzeit nicht lang Bestand haben, ist auch die Lebenszeit vieler Labyrinthfische begrenzt. Besonders Kampffische sind nicht dafür bekannt, ein hohes Lebensalter zu erreichen.

Viele Labyrinther sind für ihre Schaumnester bekannt, die die Männchen an der Wasseroberfläche bauen. Dafür ist ein möglichst strömungsarmes Milieu notwendig, da sonst das Nest schnell wieder zerstört wird. Die Tiere orientieren sich an Strukturen an der Oberfläche. Das können Schwimmpflanzen oder im Wasser befindliche Äste oder Laub sein. Durch solches Treibgut ergeben sich auch in fließenden Gewässern Nischen, in denen die Tiere ungestört ihr Nest errichten können.

Bedingungen im Labyrinther Biotop

Labyrinther finden sich häufig in schattigen Gewässern. Da in ihre Tümpel oft nur wenig Sonnenlicht durchdringt, haben auch nur die wenigsten Pflanzen eine Chance. Die Kombination aus ausbleibender Strömung und wenig bis kein Pflanzenwuchs hat ein sauerstoffarmes Milieu zur Folge. Fische, die auf reine Kiemenatmung angewiesen sind, hätten bei solch niedrigen Werten gar keine Überlebenschance mehr.

Banner zur Newsletter Anmeldung

Die Wasserwerte sind sowohl in Überschwemmungsgebieten als auch in langsam austrocknenden Tümpeln kaum konstant, weswegen Labyrinthfische in der Regel bezüglich pH-Wert und Wasserhärte sehr anpassungsfähig sind. Einzig bei der Temperatur sind manche Arten sehr empfindlich. Während die meisten Kampffische der Gattung Betta unbedingt hohe Temperaturen benötigen, wird diese von vielen Fadenfischen und insbesondere dem Paradiesfisch* Macropodus opercularis sogar bis 20°C hinunter vertragen.

Nachstellung des Labyrinther Biotops im Aquarium

Bevor du ein Becken aufstellst, solltest du dich für eine Art entscheiden, um die du dein Biotop aufbaust. Danach richtet sich nämlich sowohl die Aquariengröße als auch die Einrichtung. Wichtig für die gesamte Familie ist eine Abdeckung. Zum einem neigen Labyrinthfische zum Springen, zum anderen verkühlen sie sich leicht, wenn sie zu kalte Luft einatmen.

Das Kampffischaquarium

Die meisten Kampffische besetzen nur ein äußerst kleines Habitat. Dementsprechend reicht oft schon ein kleines Aquarium. Am besten lässt du den Filter ganz weg oder setzt maximal einen Mattenfilter ein. Da du Kampffische sowieso lieber ohne Beibesatz halten solltest, reicht die filterlose Variante in der Regel. Achte in dem Fall nur auf ein gut eingefahrenes Becken mit genügend Mulm im Bodengrund. Informiere dich gut über deine bevorzugte Betta-Art, da manche extreme Wasserwerte benötigen und nur Lebendfutter annehmen.

Kampffisch in einem Paludarium zwischen Muschelblumen
Ein Kampffisch der Zuchtform “Koi” in einem Paludarium. Dieses Becken ist sehr flach und verkrautet. Es wurde viel Wert auf eine möglichst schwache Strömung gelegt.

Das Licht für Kampffische kann gedimmt sein. Einrichtung und Pflanzen sollten das Becken bis zur Wasseroberfläche gut strukturieren. Wähle bewusst Pflanzenarten, die mit wenig Licht auskommen. Schwimmpflanzen runden das Gesamtbild ab. Je nach Kampffischart solltest du bei Zuchtambitionen einige Ausweichbecken bereithalten. In vielen Arten müssen nämlich Eltern direkt nach der Paarung und die Jungtiere nach dem Schlupf voneinander getrennt werden. Außerhalb der Paarungszeit sollten Kampffische einzeln gehalten werden.

Biotope für Fadenfische und Knurrende Guramis

Der nächste Beckentyp richtet sich vor allem an Blaue Fadenfische*, Trichopodus trichopterus, Zwergfadenfische* Trichogaster lalius, Mosaikfadenfische* Trichopodus leerii, Honigguramis* Trichogaster chuna, Knurrende Guramis Trichopsis vittata und ähnliche Arten.

Diese Tiere bevorzugen stark verkrautete Gewässer mit klarem Wasser. Dieses sollte eher weich sein, wobei auch Härtegrade von bis zu 15 °dH kein Problem darstellen. Je nach deiner Wohnsituation kannst du womöglich auf einen Heizer verzichten, da Temperaturen von 22-26 °C von allen Arten gut vertragen werden.

Bei der Einrichtung kannst du mit verschieden großen Steinen arbeiten. Auch Holz kannst aber musst du nicht einbauen. Dieses spielt nämlich keine so große Rolle wie in südamerikanischen Becken. Achte in jedem Fall auf einen dichten Pflanzenwuchs. Die Tiere müssen in der Lage sein, einander aus dem Weg zu gehen, wenn sie das wünschen. Je nach Beckengröße und Art kannst du sogar mehrere Pärchen einsetzen und die Drohgebärden an den Reviergrenzen beobachten. Besonders beeindruckend ist dies beim Knurrenden Gurami und beim Knurrenden Zwerggurami*, da deren Streitigkeiten sogar für das menschliche Ohr hörbar ablaufen.

In ruhigen Bereichen unter Schwimmpflanzen wird von den Männchen ein Schaumnest gebaut, das oftmals vom Besitzer sogar unentdeckt bleibt. Möchtest du züchten, solltest du die Brut im Auge haben und von den Eltern separieren. Sollte es dir nicht um Nachwuchs gehen, kannst du die Fadenfische gut mit friedlichen Barben aus demselben Lebensraum vergesellschaften. Beispiele dafür wäre der Zebrabärbling* Danio rerio.

Ein Fadenfisch im Aquarium. Seine Heimat sind die stehenden Gewässer Asiens.
Ein Fadenfisch im Aquarium. Seine Heimat sind die stehenden Gewässer Asiens.

Biotope für die Spezialisten der Familie

Besonders die attraktive rosafarbene Zuchtform des Küssenden Guramis* Helostoma temminkii wird zwar häufig im Zoofachhandel angeboten, kann aber nur von den wenigsten Aquarianern artgerecht gehalten werden. Mit einer Körperlänge von 30 cm richtet sich die Art an die Besitzer von Großaquarien. Steht dir aber ein solches zur Verfügung, kannst du durchaus einen asiatischen Teich im Großformat nachbauen.

Vermutlich einer der heikelsten Labyrinthfische ist der Schokoladengurami Sphaerichthys osphromenoides. Er bevorzugt absolut ruhige Aquarien ohne Strömung und ohne Beibesatz. Die Wasserbedingungen kommen jenen des südamerikanischen Schwarzwassers sehr nahe: Viel Holz und extrem weiches und saures Wasser mit kaffeebrauner Farbe. Temperaturen von über 30 °C runden das Gesamtbild ab. Der Schokoladengurami ist überdies ein schüchterner Fisch, den der Halter selten zu Gesicht bekommt. Lebendfutter ist Pflicht. Wer aber ein Händchen für ihn hat, wird diese Art sehr schnell lieben lernen.

Pflanzen aus Asien

Wer es ganz genau nimmt, wählt auch nur Pflanzen aus dem jeweiligen Biotop. Da praktisch alle Labyrinther eine Abdunkelung der Wasseroberfläche mit Schwimmpflanzen bevorzugen, kannst du hier zu Muschelblumen, Schwimmfarn oder Wasserlinsen greifen.

Klassische asiatische Aquarienpflanzen sind Wasserkelche der Gattung Cryptocoryne. Sie wachsen meist auch unter niedriger Lichtintensität noch sehr gut. Asiatische Stängelpflanzen wie die Gattungen Rotala oder Hygrophila solltest du hingegen lieber in wenig beschattete Bereiche pflanzen. Mit der Nadelsimse Eleocharis acicularis lässt sich das optische Erscheinungsbild eines Reisfeldes nachstellen.

Fazit

Viele Labyrinthfische zählen aufgrund ihrer hohen Anpassungsfähigkeit bezüglich der Wasserwerte zu den Anfängerfischen. Dabei gehen die meisten Arten im belebten Gesellschaftsaquarium geradezu unter. Für kaum eine Fischfamilie lohnt sich daher ein auf sie abgestimmtes Biotopaquarium so sehr wie für Labyrinther. In entsprechender Umgebung zeigen sie dann ihre beeindruckenden natürlichen Verhaltensweisen und bauen im Idealfall sogar ein Schaumnest.

Banner zur Newsletter Anmeldung
Werbung

Sei der Erste, der das kommentiert

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.