Die Prachtschmerle – verkannter Charakterfisch aus Südostasien

Letzte Aktualisierung am 29. Juli 2020

Prachtschmerlen gehören zum Standardsortiment jedes Zoofachhandels. Das ist umso erstaunlicher, als dass kaum jemand das passende Becken für diese asiatischen Schmerle sein Eigen nennt. Warum wird dennoch ein großer Aufwand betrieben, Prachtschmerlen in großen Stückzahlen aus Südostasien zu importieren und warum werden sie dennoch oftmals verkauft? Dieser Artikel versucht Aufklärung zu schaffen über einen der am meisten missverstandenen Aquarienfische.

Informationen über die Familie

Spricht der Aquarianer von Prachtschmerlen, ist damit zumeist die Art Chromobotia macracanthus gemeint. In dieser Gattung ist die bekannte, schwarz-gelb gestreifte Prachtschmerle die einzige Art. Früher wurde die Art der Gattung Botia zugeordnet, unter der sie bis heute in den Händlerbecken zu finden ist.

In der biologischen Systematik wird auch die Familie, in die beide Gattungen gehören, Prachtschmerlen genannt. Weitere aquaristisch beliebte, aber kleinere Schmerlen, sind in dieser Familie zu finden. Zur Gattung Botia zählen unter anderem die Netzschmerle und die Zebraschmerle. Anderen Gattungen der Familie der Prachtschmerlen gehören hingegen die Schachbrettschmerle oder Horas Schmerle an.

Herkunft der Art

Prachtschmerlen sind ausschließlich in Indonesien auf den Inseln Borneo und Sumatra zu finden. Sie bewohnen dort die unterschiedlichsten Flusssysteme, sodass sich ein typisches Biotop kaum rekonstruieren lässt. Sowohl in strömungsreichen Gebieten als auch in Altarmen oder Sümpfen, die praktisch als stehende Gewässer gelten, wurden bereits Prachtschmerlen nachgewiesen.

Je nach Alter finden sich Prachtschmerlen in unterschiedlichen Wasserschichten. Während ältere Tiere bodengebunden leben, wagen sich Jungtiere häufiger ins Freiwasser. Während der Laichzeit bilden sie riesige Gruppen, die sich gemeinsam auf Wanderschaft begeben.


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Merkmale und Geschlechtsunterschiede der Prachtschmerle

Die Prachtschmerle ist einer der farbenprächtigsten Süßwasserfische, was ihr sicherlich viel von ihrer Popularität eingebracht hat. Schwarze Streifen durchziehen einen knallgelben Grund, während die Schwanz-, Brust- und Bauchflossen wunderschön orange gefärbt sind. Die leuchtenden und scharf abgegrenzten Farben verblassen bzw. vermischen sich bei höherem Alter. Dafür verändert sich das Muster im Laufe der Zeit, sodass bald jeder Fisch eine individuelle Zeichnung aufweist. Ein weiteres wichtiges Merkmal sind die Augendornen, die die Prachtschmerle bei Gefahr ausklappen kann und sogar Gift absondern. Vorsicht also beim Transport. Die Dornen können Transportbehälter beschädigen und Menschen verletzen.

Das zunehmende Alter bringt die größte Problematik in der Haltung von Prachtschmerlen. Die Tiere können über 25 Jahre alt werden und erreichen eine Größe von ca. 30 cm. Wenn man dann noch bedenkt, dass die Tiere in Gruppen leben, wird schnell klar, dass fast niemand ein Aquarium in einer entsprechenden Größe im Wohnzimmer stehen hat.

Die Literatur spricht von unterschiedlich geformten Schwanzflossen beider Geschlechter. Ab einer Körpergröße von 10 bis 15 cm sind die Spitzen der Schwanzflosse beim Männchen nach innen gebogen, während sie beim Weibchen gerade verlaufen. Bei gut genährten Tieren lässt sich ein Unterschied leichter am Körperumfang ausmachen. Wie bei vielen Fischarten sind auch bei der Prachtschmerle die Weibchen fülliger gebaut als die Männchen.

Pflege von Prachtschmerlen

Prachtschmerlen sind typische Wanderfische, was wohl auch erklärt, dass sie keine großen Ansprüche an die Wasserwerte legen. Von beinahe härtefreien Gewässern bis zu Brackwasser kommen sie bei ihren Wanderungen mit praktisch allen Verhältnissen in Berührung. Für eine dauerhafte Haltung sollte aber der pH-Wert im neutralen Bereich liegen und die Gesamthärte unter 15°. Das erleichtert die Vergesellschaftung mit Arten aus ähnlichen Gebieten.

Da die Prachtschmerle gerne im Boden wühlt, sollte dieser am besten aus Sand oder ähnlich feinem Material bestehen. Biete viele Verstecke in Form von Röhren, Höhlen oder Tongefäßen an. Manche sollten so groß sein, dass mehrere Schmerlen darin Platz finden.

Eine Prachtschmerle auf grobem Bodengrund
Ausgewachsene Prachtschmerlen halten sich hauptsächlich im unteren Bereich des Aquariums auf. Sie lieben Höhlen und Verstecke.

Das größte Problem an der dauerhaften Haltung von Prachtschmerlen scheint die Aquariengröße zu sein. Während Jungtiere noch mit Becken um 300 Liter zurechtkommen, sollten diese für erwachsene Tier mindestens 1000 Liter fassen. Hier stößt so mancher Aquarianer an seine baulichen Grenzen.

Warum Prachtschmerlen dennoch häufig verkauft werden liegt an ihrem Appetit für Schnecken. An dieser Stelle sei einmal mehr gesagt, dass ein Tier niemals die Lösung eines Problems sein sollte, sondern der Besitzer Fehler bei sich selber suchen sollte. Sogenannte „Schneckenplagen“ entstehen nämlich niemals ohne Grund. Wenn du dich bewusst für die Haltung von Prachtschmerlen entschieden hast, setzt du am besten in einem kleineren Becken eine eigene Schneckenzucht an. Auch sonst mögen die Schmerlen Fleisch und sollten häufig mit Frost- oder Lebendfutter gefüttert werden. Rote Posthornschnecken oder rote Mückenlarven unterstützen die orange Färbung der Flossen.

Sozialverhalten und Vergesellschaftungsmöglichkeiten

Prachtschmerlen sind gesellige Tiere mit einer Rangordnung innerhalb der Gruppe. Die Gruppe sollte mindestens fünf Tiere zählen. Hast du das Glück, Platz für ein riesiges Becken zu haben, kannst du die Prachtschmerle sogar in Schwarmstärke halten. Bei Neuzugängen kommt es zwar zu Rangkämpfen, diese verlaufen aber in der Regel unblutig und geben sich mit der Zeit. Gut eingespielte Gruppen kuscheln regelrecht miteinander und finden sich dichtgedrängt in Verstecken zusammen.

Auffällig sind zwei typische Verhaltensweisen von Prachtschmerlen: Zum einen geben sie untereinander klickende Geräusche von sich, die auch vom menschlichen Ohr wahrgenommen werden können. Also keine Angst, dein Aquarium ist nicht instabil, deine Fische reden nur miteinander! Zum anderen legen sich Prachtschmerlen gerne zum Ausruhen auf die Seite. Das hat schon so manchem Aquarianer einen Schreck eingejagt, dabei ist dieses Verhalten völlig normal. Mit der Zeit entwickeln die einzelnen Individuen eigene Charaktere, weswegen Prachtschmerlen von ihren Besitzern häufig sogar Namen verliehen bekommen.

Die Vergesellschaftung klappt mit den meisten Fischen problemlos. Wichtig ist nur, dass andere Arten ähnliche Wasserwerte und Temperaturen erwarten und ihrerseits friedlich leben. Eine Vergesellschaftung mit anderen asiatischen Arten wie Fadenfischen, Barben und sogar anderen Schmerlen klappt praktisch immer. Auf Zwerggarnelen wirst du im Schmerlenaquarium verzichten müssen. Diese landen nämlich auf der Speisekarte.

Zucht der Prachtschmerle

In der freien Natur legen Prachtschmerlen zum Ablaichen lange Wanderungen zurück, die sich in menschlicher Obhut kaum rekonstruieren lassen. Daher gilt die Zucht im Aquarium auch als unmöglich. Ob vereinzelt aufgetauchten Berichten über Zufallszuchten geglaubt werden kann, ist fraglich. Zwar sind die Tiere im Aquarium öfter mal beim Balzspiel zu sehen, aber zu einer Eiablage kommt es nie. In größeren Teichanlagen stehen die Chancen hier schon wesentlich besser.

Diese führt zu zwei Problematiken rund um die Prachtschmerle. Nachzuchten sind nur unter hohen Hormongaben und unnatürlichen Umständen möglich. Dies wird kommerziell sogar betrieben. Die meisten Prachtschmerlen im Zoofachhandel kommen allerdings aus Wildfängen. Der Prachtschmerlenfang ist in Indonesien ein richtiger Industriezweig und die Stimmen mehren sich, dass der Natur viel mehr Jungfische entnommen werden, als das dortige Ökosystem verträgt. Zusätzlich kommt es dabei zu unbrauchbaren Beifang, der meist nicht mehr zurück in die Natur entlassen wird.

Beide Wege sind nicht zu unterstützen. Zum Glück fristen genügend Prachtschmerlen als Fehlkäufe in viel zu kleinen Becken ihr Dasein. Wenn du also ein artgerechtes Becken für Prachtschmerlen planst, kannst du sicherlich Tieren aus falscher Haltung ein schönes Leben in Gesellschaft ermöglichen, ohne diese fragwürdigen Methoden weiter zu unterstützen.

Fazit zur Prachtschmerle

Nennst du ein genügend großes Aquarium dein Eigen, spricht nichts gegen die Haltung dieser faszinierenden Schmerlen aus Indonesien. Immer noch werden viel zu häufig Tiere einzeln in viel zu kleine Becken als Schneckenvernichter verkauft. Vielleicht kannst du solchen Tieren aus ihrer Zwickmühle helfen und ihnen ein artgerechtes Leben in einer größeren Schmerlengruppe ermöglichen. Sie danken es dir dann mit verspielten Aktionen und einzigartigem Sozialverhalten.


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