Die Technik für ein Aquarium

Letzte Aktualisierung am 27. Mai 2019

Beim Besuch im Sealife oder einem anderen großen Aquarium sehen wir nur das Becken. Wir haben freie Sicht auf die Tiere und Pflanzen. Ein ungetrübter Blick auf die Unterwasserwelt wie man sie sich sonst nur beim Lesen von Jules Verne vorstellen kann. Um uns diesen Anblick zu ermöglichen leistet hinter den Kulissen eine enorme Technik ihren Dienst. Als erfahrener Aquarianer kann man das schon abschätzen. Anfänger die jetzt vom “Aquarium-Virus” gepackt werden sollten sich jedoch bewusst sein, dass auch zu Hause einiges an Technik für den Betrieb des Aquariums notwendig ist.

Die für ein Aquarium benötigte Technik

Für den Anfang bieten sich Komplett-Sets wie das Tetra Starter Line an. Diese Sets beinhalten in der Regel einen passenden Filter inklusive der Förderpumpe, eine angemessene Beleuchtung und meistens auch einen auf die Beckengröße abgestimmten Regelheizer. Aber ist das alles wirklich notwendig? Mit nur ganz wenigen Ausnahmen könnt ihr auf diese drei Dinge wirklich nicht verzichten. Warum verrate ich euch jetzt.

Aquarium Filter

Während in der Natur das Wasser von Flüssen und Bächen an unzähligen Steinen, Wurzeln und Sandkörnen vorbei fließt, ist unser Aquarium ehr ein stehendes Gewässer. Zwar leben in unserem Bodengrund auch wertvolle Bakterien die einen guten Job bei der Aufbereitung unseres Wassers leisten, aber reichen tut das nicht. Um kontinuierlich Schadstoffe umzuwandeln kommen wir nicht drum rum einen Filter zu betreiben. Je mehr Tiere das Becken bewohnen, desto wichtiger ist der Aquarium Filter.

Einige Filterschwämme für einen Innenfilter.
Einige Filterschwämme für einen Innenfilter.

Mit den Einsteigersets bekommt man meistens einen Innenfilter. Diese Filter zeichnen sich durch ihre Einfachheit aus. Es müssen keine Schläuche nach außen geführt werden und zur Reinigung werden meistens nur die leicht erreichbaren Kartuschen gewechselt. Für dicht besetzte und bepflanzte Aquarien reicht ein Innenfilter aber oft nicht aus. In diesem Fall greift man auf die leistungsstärkeren Außenfilter zurück. Diese nehmen im Unterschrank mehr Platz ein und sind komplexer zu reinigen. Die Filterleistung ist aber deutlich besser.

Nicht nur in der Form werden Filter unterschieden, sondern auch im Funktionsprinzip. Die Grundlage jeden Filters ist neben einer mechanischen Filterung auch eine biologische Filterung. Der Filter sorgt also nicht nur dafür, dass Schwebstoffe wie Futterreste aus dem Wasser gefiltert werden, sie werden auch biologisch abgebaut. Das ist die wichtigste Aufgabe eines Aquarium Filters, da nur so gefährliche Stoffe wie Nitrit in (meistens) nützliche Stoffe wie Nitrat umgewandelt werden können. Sogar chemische Reaktionen können in einem Aquarium Filter ablaufen.

Aquarium Filter | Chemie, Biologie und Mechanik in einem

Aquarium Beleuchtung

Auf das Sonnenlicht können wir uns in unserem Aquarium nicht verlassen. Ganz im Gegenteil, das natürliche Licht ist für unsere Zwecke viel zu wenig kontrollierbar und wir müssten mit starkem Algenwachstum rechnen, wenn wir mit Sonnenlicht arbeiten. Wir müssen also auch hier auf etwas Technik zurückgreifen.

Heute können wir die gängigen Leuchtmittel in drei Typen einteilen: Leuchtstoffröhren, LED und HQI-Brenner. Während bis vor Kurzem noch die klassischen Leuchtstoffröhren das Rückgrat der Aquarium Beleuchtung waren, werden heute schon die meisten Komplett Aquarien mit einer LED-Beleuchtung ausgeliefert. Wobei das nicht unbedingt ein Vorteil sein muss. Gerade in der Aquaristik wird großer Wert auf eine gute Farbwiedergabe gelegt. Hochwertige LED-Lampen haben daher sehr hohe Anschaffungskosten und benötigen nicht unbedingt weniger Strom als eine Leuchtstoffröhre.

Durch einen Adapter konnte ich die sera LED X-Change Tube daylight sunrise mit meinem bestehenden Leuchtbalken verwenden.
Durch einen Adapter konnte ich die sera LED X-Change Tube daylight sunrise mit meinem bestehenden Leuchtbalken verwenden.

Für die meisten Anwendungen haben die LED-Lampen eine ausreichende Qualität erreicht. Wenig bepflanzte Becken können schon relativ günstig umgerüstet werden. Bei dicht bepflanzten Show-Aquarien muss man hingegen schon mal etwas mehr Geld in die Hand nehmen. Für wirklich anspruchsvolle Becken sowohl im Süß- als auch Meerwasserbereich werden aber auch Heute noch Kombinationen aus Leuchtstoffröhren und HQI-Brennern eingesetzt. Teilweise kann nur so auch in tieferen Wasserregionen das gewünschte Farbspektrum eingestellt werden um Pflanzen und Korallen eine angemessene Umgebung zu bieten.

Aquarium Heizung

Ein kleines Teil der Aquarium-Technik wird gerne vernachlässigt. Und das, obwohl es sich noch nicht einmal um ein besonders teures oder pflegeintensives Teil handelt. Wie oft habe ich nach Erzählungen von meinem Aquarium den Kommentar gehört, “Dann brauchst du ja auch eine Heizung!”. Ganz ehrlich, die Heizung ist meine kleinste Sorge!

Gefühlt 90% unserer Zierfische benötigen Wassertemperaturen von 20°C und mehr. Steht das Aquarium in Wohnräumen die Nachts nicht beheizt werden kann das im Winter schon mal knapp werden. Und selbst moderate “Zimmertemperaturen” von gut 22°C sind für viele Arten zu niedrig. Die meisten Zierfische fühlen sich bei um und bei 25°C recht wohl. Einige Arten benötigen aber noch höhere Temperaturen. Wer sich unbedingt die Anschaffung eines Regelheizers sparen möchte kann sich natürlich genau die Arten raus suchen, die auch mit Wassertemperaturen von 18°C zurecht kommen. Aber Vorsicht: Im Sommer zu kühlen ist schwieriger als im Winter zu heizen.

Pflanzendüngung mit CO2

Weniger einfach als zu heizen ist es den Pflanzendünger CO2 zuzugeben. Um das Gas zu speichern und kontrolliert im Wasser zu lösen wird tatsächlich recht teure Technik benötigt. Je nach Anforderungen gibt es hier aber auch unzählige Systeme von ganz billig bis ganz teuer.

Der Druckminderer an einer 500 Gramm Mehrweg-Flasche. Diese Technik wird für eine hochwertige Druckgasanlage benötigt.
Der Druckminderer an einer 500 Gramm Mehrweg-Flasche.

Kohlenstoff ist einer der wichtigsten Bausteine für den Stoffwechsel unserer Aquarium-Pflanzen. Zwar werden alle Nährstoffe wie auch Eisen, Nitrat und Phosphat für einen gesunden Pflanzenwuchs benötigt, ohne Licht und Kohlenstoff geht aber wirklich gar nichts. Das man heute recht gut in der Lage ist für ausreichend Licht zu sorgen habe ich oben bereits beschrieben. Kohlenstoff kann man aber immer noch nur über das Gas Kohlendioxyd, chemisch CO2, in das Aquarium einbringen.

Bei leerer Gasflasche oder aktivierter Nachtabschaltung verhindert eine Rücklaufsicherung das Wasser in die Technik eindringt.
Bei leerer Gasflasche oder aktivierter Nachtabschaltung verhindert eine Rücklaufsicherung das Wasser in die Technik eindringt.

Die wohl einfachste Möglichkeit zumindest etwas CO2 ins Becken einzubringen ist eine Bio CO2-Anlage. Das CO2 wird hier direkt in der Flasche erzeugt und in das Aquarium geleitet. Dadurch kann man mit sehr niedrigem Druck arbeiten was ein komplizierte Druckgasanlage überflüssig macht. Allerdings ist die Gasmenge auch relativ gering und es gibt so gut wie keine Regelungsmöglichkeiten. An den Druckgasanlagen kann genau die richtige “Blasenzahl” eingestellt werden und die unterschiedlichen Flaschengrößen bieten die richtige Menge für jedes Becken. Mit weniger Startkapital bietet sich ein Einwegsystem an. Langfristig lohnt sich aber die Anschaffung eines Mehrwegsystems.

CO2-Düngung | Warum sie wichtig ist und wie es geht

Technik im Becken verstecken

Das Aquarium soll ein Stück Natur sein. Wasser, Fische, Pflanzen. Aber bitte keine Technik! Diese Einstellung kann ich nachvollziehen und habe selber auch lange versucht Filtergehäuse und Regelheizer hinter großen Pflanzen zu verstecken. Heute gehe ich mit dem Thema etwas offener um und zeige gerne welchen Aufwand ich betreibe um meinen Tieren einen geeigneten Lebensraum zu bieten. So habe ich derzeit auch keine Bauchschmerzen damit eine 500 Gramm CO2-Flasche neben mein 16 Liter Cube zu stellen. Schöner kann es auch aussehen, wenn man die Farbe der Rohre und Innenfilter dem Aquarium anpasst. Grüne Rohre für bepflanzte Becken, graue Röhre für unbepflanzte Becken und Glaselemente für moderne Aquascapes und Nano Cubes.

Pflanzen und Steine nutzen

Ist man nicht so extrovertiert kann man Ansaugkörbe und Co relativ leicht verstecken. Da man diese Teile meistens an der Rückwand anbringt befinden sie sich eh in Bereichen in denen große Pflanzen wachsen oder Steinaufbauten liegen. Mit etwas Fingerspitzengefühl können kräftige Stängelpflanzen so platziert werden, dass man Ansaugrohre oder Regelheizer nicht mehr wahrnimmt. Vorsicht ist geboten, wenn Regelheizer oder CO2-Diffusoren hinter Steinaufbauten verschwinden sollen. Bei diesen Geräten muss die Strömung im Becken für Wasserbewegung in der Umgebung sorgen.

Ab in den Unterschrank mit der Technik

Am elegantesten ist es die Technik komplett aus dem Sichtbereich zu holen. Sehr gute Filterleistungen bringen Hamburger Mattenfilter (HMF) und ein Großteil der Technik kann dahinter liegen. So wird aber auch viel Platz im Becken benötigt. Verwendet man einen Außenfilter kann ein Filtergehäuse gewählt werden in dem ein Regelheizer integriert ist. Die Zugabe von CO2 kann außerdem “inline” erfolgen. So holt man die Technik aus dem Becken in den Unterschrank.

Ein Aquarium ohne Technik?

Ja, das geht. Ein komplett technikloses Aquarium erfordert aber viel Pflege und ist sehr empfindlich. Probiert es aus. Aber am besten nur wenn ihr schon wisst was ihr tut und ohne lebenden Besatz.

Was ist ein Technikbecken

Technikbecken sind besonders umfangreiche Formen eines Außenfilters die nicht nur die Filtermedien selber sondern auch weitere Komponenten wie einen Regelheizer und einen Skimmer enthalten können. Außerdem dienen sie als Ausgleichsbehälter für den Wasserstand. Der Haupteinsatzbereich von Technikbecken liegt in der Meerwasseraquaristik. In der Süßwasseraquaristik sind sie ehr unbedeutend. Die Details findet man daher auf Seiten die sich auf Meerwasser spezialisiert haben.

Das Technikbecken

Der Besatz entscheidet

Welche Geräte du verwenden solltest hängt absolut davon ab welche Tiere und Pflanzen du in deinem Becken halten möchtest. Ein ganzes Technikbecken wirst du in einem Süßwasseraquarium wohl so gut wie nie benötigen. Ein starker Außenfilter kann aber doch schon mal in Frage kommen. Insbesondere dann, wenn viele Pflanzen im Becken sind. Dann wird meistens auch viel Licht benötigt. Ist das Aquarium weniger bepflanzt und mehr mit Wurzeln, Laub und Steinen eingerichtet kann auch ein Innenfilter und weniger Beleuchtung reichen. Sofern nicht stoffwechselintensive oder anspruchsvolle Arten wie Diskus gepflegt werden sollen. Ihr merkt schon, es ist wird ganz schön individuell. Deshalb passen in die oft angesprochenen Komplettsets auch keine ausgefallenen Arten. Alles andere liegt in deinem Ermessen.

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