Filter nachts ausschalten oder lieber nicht?

Als ich noch ein Kind war, konnte ich immer wieder ein Aquarium meines Vaters bewundern. Der hatte mit der Aquaristik eine Art on/off-Beziehung. Bei jedem seiner Aquarien hat er nachts die Filterpumpe abgestellt. Früher war sein Argument, dass die Fische auch mal ihre Ruhe haben wollen. Auch heute noch ist die Filterpumpe in seinem Teich nur sporadisch an. Die Begründung hat sich von der Lärmbelästigung für die Tiere aber ehr zu den Energiekosten verschoben. Solltest auch du deinen Filter nachts ausschalten? In diesem Beitrag werde ich beschreiben, warum du es besser nicht machen solltest.

Was passiert im Filter

Je nach eingesetzten Filtermedien können im Filter unterschiedliche Filterprozesse stattfinden. In der Regel ist das erst mal eine mechanische Reinigung von Schwebstoffen. Aber auch eine chemische Reinigung durch Aktivkohle oder andere chemische Filterelemente gegen Silikat oder Phosphat sind möglich. Der wichtigste Filterprozess ist aber der Biologische. Im Aquariumwasser, im Kies, aber vor allem im Filter leben unzählige Bakterien. Diese Bakterien zersetzten Abfallprodukte wie abgestorbene Pflanzen, Futterreste und Ausscheidungen unserer Tiere.

Einige Filterschwämme für einen Innenfilter. Filter nachts ausschalten oder nicht?
Einige Filterschwämme für einen Innenfilter. Das weiße Fließ sorgt für eine mechanische Filterung, der schwarze Aktivkohlefilter sorgt für eine chemische Reinigung. Der blaue und der grüne Schwamm sind biologische Filter.

Wenn du den Filter nachts ausschalten möchtest, könntest du jetzt das erste Mal darüber nachdenken, dass die eben genannten „Abfälle“ ja nicht nur tagsüber im Aquarium sind, sondern ständig das Wasser belasten. Sowohl tags als auch nachts.

Ein eingelaufener Kreislauf

Außerdem handelt es sich bei allen Vorgängen in unserem Aquarium um eingelaufene Kreisläufe. Diese Kreisläufe müssen immer geschlossen sein. Ansonsten wird ein Zwischenprodukt nicht mehr abgebaut und reichert sich im Wasser an. Wenn das passiert, gerät das Becken außer Kontrolle und das Wasser „kippt um“.

Wenn du ein neues Aquarium einrichtest, sollst du es mindestens zwei Wochen einlaufen lassen, bevor du Fische einsetzt. In diesem Zusammenhang hast du bestimmt schon einmal von dem Nitritpeak gehört. Der Nitritpeak ist ein natürliches Phänomen, das unter bestimmten Bedingungen entsteht. Wenn du nicht die Möglichkeit hast, das Wasser anzuimpfen wird dieser Peak mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nach etwa zwei Wochen auftreten. Es dauert also mindestens zwei Wochen, bis sich die natürlichen Kreisläufe im Aquarium eingespielt haben.

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Die Kreisläufe des Stickstoff (orange) und des Sauerstoff / CO2 (grün) haben Pflanzen als gemeinsame Schnittstelle
Die Kreisläufe des Stickstoff (orange) und des Sauerstoff / CO2 (grün) haben Pflanzen als gemeinsame Schnittstelle

Genau geht es hier um den Stickstoffkreislauf. Der Stickstoff aus den Verunreinigungen durch unsere Bewohner wird von Bakterien erst in Ammoniak, dann in Nitrit und schließlich in Nitrat umgewandelt. Nitrat dient wiederum als Dünger für unsere Pflanzen und schließt so den Kreislauf. Für jede dieser Umwandlungsstufen ist ein anderes Bakterium zuständig. Und der jeweilige Bakterienstamm bildet sich natürlich erst, wenn eine Nahrungsgrundlage vorhanden ist. Es werden sich also keine Bakterien ansiedeln, die Nitrit in Nitrat umwandeln, solange kein Nitrit verfügbar ist. Es dauert also einige Wochen, bis alle Bakterienstämme vorhanden sind und sich dem Angebot abgepasst haben.

Den Filter nachts ausschalten unterbricht immer wieder diesen Kreislauf. Das Nahrungsangebot für die Bakterienstämme wird morgens ein anderes sein als abends.

Aerobe und Anaerobe Bakterien

Und dann ist da noch das Thema mit dem Sauerstoff. Du weißt sicherlich, dass das Wasser am Filterauslauf sauerstoffärmer ist als am Filtereinlauf. Denn mit nur wenigen Ausnahmen benötigen alle wichtigen Bakterien auch Sauerstoff. In einem normalen Innen- oder Außenfilter, den wir fertig kaufen können, leben eigentlich nur Bakterien, die Sauerstoff benötigen. Man spricht dabei von aeroben Bakterien. Da im Filter kein Sauerstoff produziert wird, sind diese Bakterien darauf angewiesen, dass mit dem Filterkreislauf immer neuer Sauerstoff aus dem Becken in den Filter eingebracht wird.

Diese aeroben Bakterien verbrauchen also den in den von außen in den Filter eingebrachten Sauerstoff. Je weiter das Wasser durch den Filter fließt, desto geringer wird der Sauerstoffgehalt. Bei einem üblichen Filter wird mehr Sauerstoff eingebracht als die Bakterien verbrauchen. Wird der Filter aber länger, ist irgendwann der Punkt erreicht, an dem der Sauerstoff verbraucht ist. Das kann auch passieren, wenn das Wasser sehr langsam fließt. In einigen sehr spezialisierten Aquarien kommen daher auch besondere Langsamfilter zum Einsatz, bei dem bewusst der gesamte Sauerstoff verbraucht wird. In diesem Milieu leben dann anaerobe Bakterien, die zum Beispiel auch Nitrat abbauen können.

Tetra EX 1200. Auch wenn Außenfilter nur langsam durchflossen werden arbeiten sie aerob. Filter nachts ausschalten?
Der Tetra EX 1200 plus ist ein Außenfilter der durch seine Filterkörbe flexibel befüllt werden kann. In diesem Fall dienen Tetra BalanceBalls als biologischer Filter.

Langsam fließen ist dabei das Stichwort. Denn wenn du den Filter ausschaltest, ist die Fließgeschwindigkeit quasi unendlich langsam. Es kommt kein Sauerstoff mehr nach, den die Bakterien aber kontinuierlich verbrauchen. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem der komplette Sauerstoff verbraucht ist und die Bakterien beginnen zu sterben. Diese toten Organismen belasten das Wasser dann auch noch zusätzlich.

Filter nachts ausschalten stört den Kreislauf

Es ist also klar, dass der Stickstoffkreislauf unterbrochen wird, sobald du den Filter ausschaltest. Nicht nur, dass die verfügbare Menge an Stickstoff, Ammoniak und Nitrit schwanken wird, es können auch wertvolle Bakterienstämme im Filter komplett absterben. Das ist natürlich alles tragisch, da der Kreislauf nur funktioniert, wenn er möglichst gleichmäßig abläuft. Oft kann es ja schon zu merkbaren Störungen kommen, wenn du nur eine Gruppe neuer Fische einsetzt.

Daher ist es ja so, dass du, nachdem das Becken zwei bis drei Wochen eingefahren wurde, nur langsam nach und nach die Tiere einsetzt. Das machst du, um den Kreisläufen immer wieder Zeit zu geben, sich an den neuen Besatz anzupassen. Die Arbeit, die du hier investierst, kann sich gut über einen Monat oder länger hinziehen. Den Filter nachts auszuschalten kann diese Arbeit schon nach wenigen Stunden komplett zerstören.

Wenn sich die Bakterienstämme dann neu bilden, entstehen als Erstes diejenigen, die den Stickstoff in Ammoniak umwandeln. Das ist erst mal nicht tragisch, bis dann aber die Stämme wachsen, die den Ammoniak in Nitrit umwandeln. Das ist jetzt kritisch, da Nitrit für unsere Bewohner giftig ist und noch keine Bakterien vorhanden sind, die dieses giftige Nitrit abbauen. Nachdem dein Filter eine Nacht ausgeschaltet war, musst du also mit einem weiteren Nitritpeak rechnen.

Filter nachts ausschalten? Das kann deine Fische töten!
Den Filter über längere Zeit abzuschalten kann den Stickstoffkreislauf durcheinander bringen. Der so entstehende Nitritpeak ist tödlich für deine Tiere.

Die Botschaft ist klar

Den Filter nachts ausschalten ist also überhaupt nichts, was ich empfehlen könnte. Ganz im Gegenteil, ich kann nur davon abraten. Meine Filter laufen 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche. Selbst beim Teilwasserwechsel schalte ich die Filter nicht aus. Das klingt übertrieben. Ist es vielleicht auch. Ich kann dir auch nicht sagen, wie lange der Filter ausgeschaltet sein darf und ab wann es zu negativen Folgen kommen kann. Sicherlich ist eine halbe Stunde Wasserwechsel nicht gefährlich. Zwei Sunden Stromausfall wahrscheinlich auch noch nicht. Aber wenn dein Filter aus irgendwelchen Gründen mal länger abgeschaltet sein sollte, denk an diesen Beitrag und tausche zumindest das Wasser im Filtergehäuse aus.

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