Häufige Fischkrankheiten und Prophylaxe als wirksamstes Mittel dagegen

Es gibt nur wenige aquaristische Themen, mit denen wir uns ungern beschäftigen. Früher oder später bekommt es aber fast jeder von uns mit Fischkrankheiten zu tun. Umso besser ist es, dann bereits Vorkehrungen getroffen und die wichtigsten Utensilien vorrätig zu haben. Schnellschüsse gehen nämlich oft schief, während ein durchdachtes Vorgehen den einen oder anderen Fisch durchaus retten kann. Um große Verluste im Bestand zu verhindern, solltest du dich mit den Grundlagen der Fischkrankheiten daher schon vor dem Ernstfall vertraut machen.

Auslöser für Fischkrankheiten

Vielen von uns ist es schon passiert, dass wir einen vermeintlich gesunden Fisch gekauft haben, der im Heimaquarium Symptome entwickelt und im schlimmsten Fall sogar andere Beckenbewohner ansteckt. Dafür ist nicht zwingend mangelnde Hygiene im Handel verantwortlich. Diverse Erreger sind nämlich praktisch immer latent im Wasser vorhanden. Für das Immunsystem kräftiger und artgerecht gehaltener Fische ist das kein Problem. Im Händlerbecken aber herrscht für kurze Zeit eine viel zu hohe Besatzdichte, die die Fische in ständige Alarmbereitschaft versetzt. Kommt dann noch der Stress des Umzugs und veränderter Wasserwerte hinzu, nutzen Erreger ihre Chance, zuzuschlagen.

Stress durch zu hohen Besatz kann auch bei dir zu Hause passieren. Daher solltest du dein Aquarium niemals zu dicht besetzen. Achte auch auf die Verträglichkeit untereinander. Arten, die einander jagen oder zu viele revierbildende Männchen auf zu wenig Aquarienfläche halten den Stresspegel unnötig hoch. Der Gesundheit zuliebe solltest du also auf einen lockeren Besatz setzen.

Aber auch zu wenig Versteckmöglichkeiten, eine zu hohe Lichtintensität, laute Geräusche und Erschütterungen in der Nähe des Aquariums oder die falschen Wasserwerte können das Immunsystem eines Fisches belasten. Informiere dich vor der Anschaffung einer neuen Art daher immer im Vorfeld über deren Bedürfnisse.

Vorsorge ist besser als Nachsorge

Großzügige Wasserwechsel sind das einfachste Mittel, um die Keimdichte in deinem Aquarium gering zu halten. Der Wasserwechsel ist eine eigene Philosophie für sich und praktisch jeder Aquarianer findet für sich selber den besten Rhythmus was zeitliche Abstände und getauschtes Wasservolumen betrifft. Fest steht aber: zu viel Wasserwechsel ist nie schädlich. Wenn du einen wöchentlichen Wasserwechsel von ca. 50% einrichten kannst, bist du definitiv auf der sicheren Seite. Sollten es die Umstände erfordern, kannst du sowohl die Intervalle verkürzen als auch das Volumen erhöhen. Aber auch ein UV-Klärer kann helfen den Keimdruck gering zu halten.

Banner zur Newsletter Anmeldung

In Zuchtbecken beispielsweise wird meist viel gefüttert und es tummeln sich viele Fische auf kleinstem Raum. In diesen Aquarien sollte sogar täglich beinahe das gesamte Wasser getauscht werden, um die Wasserqualität hoch zu halten.

Sofern es deine räumlichen Gegebenheiten erlauben, solltest du auch immer ein fertig eingefahrenes Quarantänebecken bereitstehen haben. Dort kannst du kranke oder verletzte Fische einfach separieren oder behandeln. Genauso dient es als erste Station von Neuzugängen, bevor sie zum restlichen Besatz im Stammbecken ziehen dürfen.

Erste Alarmzeichen

Als Besitzer hast du deine Schützlinge jeden Tag im Auge. Prinzipiell sind Fische dankbare Haustiere, die auch im stressigen Alltag nicht immer so viel Aufmerksamkeit brauchen wie Hunde oder Katzen. Aber selbst an ereignisreichen Tagen solltest du dir zumindest ein paar Minuten Zeit nehmen, deine Fische zu beobachten. Zeigen diese nämlich plötzlich andere Verhaltensweise oder haben sich gar optisch verändert, solltest du dich sofort auf die Suche nach der Ursache machen.

Ernstzunehmende Alarmzeichen sind apathisches Herumhängen sowohl auf dem Bodengrund als auch an der Wasseroberfläche, hektisches Herumschwimmen, das Schnappen nach Luft und Scheuern an Gegenständen. Zu den möglichen Veränderungen am Körper gehören Punkte, Glotzaugen, ein aufgeblähter Bauch, abstehende Schuppen, Wunden oder ausgefranste Flossen.

Im Kampf kann sich ein Fisch auch einmal eine prinzipiell harmlose Verletzung zuziehen. Manche Fische vertreiben Eindringlinge mit Stacheln, was zu blutigen Wunden führen kann. Auch eingerissene Flossen sind erst einmal nichts Ungewöhnliches. Unbehandelt und in Gegenwart der falschen Keime können sich solche Wunden aber schnell entzünden und zu Infektionen entwickeln. Hab auf solche Fische ein besonderes Auge und behandle sie vorsorglich mit antibakteriellen Mitteln.

Die wichtigsten Fischkrankheiten im Überblick

Da viele Krankheiten durch erhöhten Keimdruck in Folge mangelnder Hygiene oder zu hoher Besatzdichte entstehen, ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich vorrangig Bakterien und einzellige Organismen als Auslöser verantwortlich zeigen. Diese lassen auch eine grobe Einteilung der Krankheitsbilder zu.

Bakterielle Ursachen

Einige der bekanntesten aber auch gefürchtetsten Fischkrankheiten gehen auf bakterielle Erreger zurück. Dazu gehört unter anderem die Fischtuberkulose, die als eine der wenigen Fischkrankheiten auch auf den Menschen übergehen kann. Während das Bakterium bei uns nur lästige Abszesse und Ekzeme auslöst, gilt derselbe Erreger für Fische als Todesurteil. Am Ende einer Reihe von fürchterlichen Symptomen wie Hautentzündungen, Verkrümmungen von Kiefer und Wirbelsäule oder Verlust von Augen und Schuppen, steht nur noch der Tod. Die Krankheit kann nicht behandelt werden. Zwar befindet sich der Erreger in praktisch jedem Aquarium, nach Ausbruch der Krankheit muss ein solches Becken aber meist komplett geräumt und desinfiziert werden.

Coli-Bakterien unter dem Mikroskop
Bakterien wie diese Coli-Bakterien können auch bei Fischen zu Krankheiten führen.

Kaum weniger erschreckend ist die Bauchwassersucht, die nur im Anfangsstadium behandelt werden kann. Beim Auftreten offensichtlicher Symptome ist ein Fisch kaum mehr zu retten. Bei diesem Krankheitsbild kommt es aufgrund entzündeter Nieren zu starken Wasserablagerungen im Bauch. Dieser bläht sich auf, bis die Schuppen abstehen. In fortgeschrittenem Stadium sammelt sich das Wasser selbst hinter den Augen, was diese stark hervortreten lässt. Solche Fische können nur noch erlöst werden. Da die Krankheit stark ansteckend ist, solltest du nach Ausbruch selbst die vermeintlich gesunden Fische im Auge behalten und das Becken am besten vorsorglich mit antibakteriellen Mitteln behandeln.

Etwas weniger aggressiv zeigen sich Maulfäule bzw. Flossenfäule, die beide zunächst die namensgebenden Regionen angreifen. Bei dem einen Erreger verfärbt sich das Maul weiß, beim anderen fransen die Flossen zusehends aus. Beide Krankheiten greifen bereits angeschlagene Fische an und beide lassen sich mit einer rapiden Verbesserung der Wasserhygiene gut behandeln. Dazu gehören in erster Linie mehrere großvolumige Wasserwechsel, um Schadstoffe und Keime im Wasser auszudünnen. Zusätzlich hilft eine Gabe von vitaminreicher Nahrung, um das Immunsystem zu stärken. In schweren Fällen können zusätzlich Medikamente zum Einsatz kommen.

Pilze als Übeltäter

Pilzinfektionen treten immer als Folge vorbelasteter Fische auf. Das können Tiere sein, die bereits unter anderen Fischkrankheiten leiden, die im Kampf Wunden erlitten haben oder die durch falsche Wasserwerte geschwächt sind. Die vom Pilz befallenen Stellen machen sich durch braune Fäden oder watteartigen Belag bemerkbar. Neben der Beseitigung der Ursachen helfen auch eine Erhöhung der Wassertemperatur und kurzfristige Salzbäder. Beides wird von den Pilzen nicht vertragen.

Parasiten verursachen Fischkrankheiten

Die bekannteste Fischkrankheit geht auf einen einzelligen Parasiten zurück. Es gibt kaum einen Aquarianer, der noch nicht mit der Weißpünktchenkrankheit, oder umgangssprachlich Ichthyo, in Berührung kam. Verursacher sind Wimperntierchen, die sich in der Schleimhaut der Fische festsetzen und dort die namensgebenden weißen Pünktchen hervorrufen. Kaum eine Krankheit ist derart leicht zu diagnostizieren und kaum eine ist so leicht zu behandeln wie die im Fachjargon genannte Ichthyophthiriose. Neben der üblichen Verbesserung der Haltungsbedingungen kommen Medikamente auf Basis von Malachitgrün zum Einsatz, die in jedem Zoofachhandel erhältlich sind und meist gut anschlagen. Wichtig ist nur, dass die Behandlung über längere Zeit fortgesetzt wird, da die Erreger nur in einem bestimmten Entwicklungsstadium erreicht werden können.

Ichthyophthirius multifiliis.jpg
Ichthyophthirius multifiliis von Andy Goodwin/USFWS – Flickr, CC BY 2.0

Auch die Neonkrankheit wird von einem mikroskopisch kleinen Parasiten ausgelöst. Die durch Farbverlust charakterisierte Krankheit tritt besonders häufig bei Neonfischen auf, was ihr auch den Namen verliehen hat. Aber auch andere Salmler oder Barben können betroffen sein. Nur leicht befallene Tiere können mit der Krankheit ganz gut leben, müssen aber vom restlichen Besatz separiert werden. Fische mit einem stärkeren Befall können hingegen nur erlöst werden. Eine Behandlungsmöglichkeit gibt es bis heute nicht.

Andere Parasiten sind auch mit freiem Auge zu erkennen. Dabei handelt es sich meistens um diverse Würmer, die aus Haut, Kiemen oder After ragen. Solche Fischparasiten gelangen immer durch Neukauf oder selbstgefangenes Lebendfutter aus Fischgewässern ins Aquarium. Salzbäder oder Medikamente aus dem Fachhandel können hier zum Erfolg führen.

Sonstige Krankheiten

Virale Erkrankungen sind zwar auch bei Fischen zu finden, spielen aber eher eine untergeordnete Rolle. Sie können aber unter anderem Tumore verursachen, die wiederum auch auf genetische Defekte zurückgehen können. Häufig befallen sie ältere oder geschwächte Tiere. Für Tumore gib es keine Behandlung. Befallene Fische können meist nur noch erlöst werden.

Manchen Krankheiten konnte bis heute kein eindeutiger Erreger zugeordnet werden. Dazu gehört zum Beispiel die bei Buntbarschen häufig vorkommende Lochkrankheit. Diese lässt sich mit hochwertigem Futter in der Regel recht gut besiegen.

Hausapotheke für Fische

Für die Behandlung von Fischen sind praktisch immer die Besitzer selber verantwortlich. Nur die wenigsten Tierärzte sind auf diesem Gebiet bewandert und behandeln selbst dann eher Nutz- als Zierfische. Daher lohnt es sich, selber die wichtigsten Utensilien zu Hause zu haben.

Es gibt einige Behandlungsmöglichkeiten, die du immer im Haus haben solltest. Eines davon ist ein simpler Heizstab. Die meisten Keime sterben nämlich bei erhöhter Temperatur ab und werden bei kurzfristigen Erhöhungen auf bis zu 30 °C empfindlich geschädigt. Informiere dich aber bitte unbedingt über die genaue Ursache der Fischkrankheit. Manche Erreger vermehren sich nämlich auch bei weit über 30 °C noch problemlos.

Auch Salzbäder führen häufig zum Erfolg, weswegen du dafür immer die Mittel im Haus haben solltest. Das Salz, welches du im Supermarkt findest, ist mit Jod angereichert. Dieses wollen wir aber für Salzbäder vermeiden. Greife daher zu reinem Kochsalz ohne Zusätze. Ein solches findest du im Zoofachhandel als Meersalz. Nachdem Salz ohnehin nicht verderben kann, solltest du immer eine Packung zu Hause haben.

Seemandelbaumblätter haben eine antibakterielle Wirkung und sollten daher in keinem Aquaristikhaushalt fehlen. Du kannst sie entweder prophylaktisch deinem Aquarienwasser zugeben, oder gezielt in großen Mengen hinzufügen, wenn eine Krankheit ausgebrochen ist. Solltest du keine Seemandelbaumblätter zur Hand haben, zeigen herkömmliche Zimtstangen dieselbe Wirkung.

Medikamente solltest du allein aufgrund ihres Ablaufdatums erst bei Bedarf kaufen. Da aber Weißpünktchenkrankheit relativ häufig auftritt und gerade im Frühstadium gut zu behandeln ist, kann ein vorsorglicher Kauf eines Malachitgrün-Präparats nicht schaden.

Sale
sera costapur F 50 ml
  • Schnelle und sichere Hilfe im Krankheitsfall
  • Arzneimittel für Zierfische mit einzigartiger Heilkraft
  • Alle sera Arzneimittel zeichnen sich durch eine maximale Sicherheit für Tier und Anwender aus.

Letzte Aktualisierung am 10.04.2021 um 02:51 Uhr Bei diesen Links handelt es sich um bezahlte Werbung.

Für jene traurigen Fälle, in denen kein Mittel mehr hilft, solltest du auch immer Nelkenöl zu Hause haben. Als überdosiertes Betäubungsmittel hilft dieses ätherische Öl, hoffnungslos kranke Tiere behutsam von ihrem Leid zu erlösen. Dies sollte aber immer nur als allerletzte Lösung angesehen werden.

Fazit

So fürchterlich manche Fischkrankheiten auch klingen, hast es in erster Linie du selber in der Hand, ob du ihnen geeignete Bedingungen bietest. Eine gründliche Wasserhygiene in Form von häufigen Wasserwechseln in Kombination mit einer geringen Besatzdichte sind oft schon die halbe Miete. Vorsicht ist geboten bei Neuzugängen und Lebendfutter aus Fischgewässern. Das Schlimmste kannst du mit einfachsten Maßnahmen bereits mit einfacher Prophylaxe verhindern. Im Ernstfall heißt es dennoch Ruhe zu bewahren, den befallenen Fisch zu separieren und einer geeigneten Behandlung zu unterziehen. In manchen Fällen hilft aber leider auch dann nur eine möglichst sanfte Erleichterung des Todes.

Banner zur Newsletter Anmeldung
Werbung

Sei der Erste, der das kommentiert

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.