Schwarzwasser Biotop nach dem Vorbild des Rio Negro

Wenn wir Aquarianer bereits ein wenig Erfahrung gesammelt haben, verspüren viele von uns den Drang, vom klassisch bunten Gesellschaftsaquarium* abzuweichen. Biotop Aquarien, die einen bestimmten Bereich der Natur abbilden, bieten sich als erste Herausforderung an. Besonders beliebt ist das Schwarzwasser Biotop, wie es in Südamerika anzutreffen ist. Mit seinen bunten friedlichen Fischen in gedämpfter Atmosphäre bietet es einen wahren Ruhepol in der Wohnung.

Was ist Schwarzwasser und wo findet man es?

In den Tropen dominieren drei verschiedene Flusstypen: Klarwasserflüsse, Weißwasserflüsse und Schwarzwasserflüsse. Bekannt sind die Bilder vom Zusammenfluss von Amazonas und Rio Negro, wo Weißwasser und Schwarzwasser kilometerweit nebeneinander her fließen, bevor sie sich vermischen. Der Unterschied zwischen diesen beiden Wassersorten liegt vor allem in den Schwebstoffen. Weißwasser führt viele davon mit sich. Diese reflektieren das Licht, welches das Wasser hell und trüb erscheinen lassen. Im Gegensatz dazu befinden sich im Schwarzwasser kaum Schwebstoffe. Dadurch wird das Sonnenlicht geradezu verschluckt.

Das Schwarzwasser selber ist daher eigentlich kristallklar. Die namensgebende braune Farbe ergibt sich durch gelöste Huminsäuren und Gerbstoffe. Schwarzwasserflüsse nehmen ihren Ausgang in sauren Böden, wie das in Mooren oder Regenwäldern der Fall ist. Dies drückt sowohl den pH-Wert als auch den Leitwert des Wassers stark nach unten.

Delfin in braunem Wasser
Ein Delfin im braunen Wasser des Rio Negro. Die braune Trübung ist gut erkennbar. Aber auch wie schwarz das Wasser wirkt.

Schwarzwasserflüsse sind nicht auf Südamerika beschränkt, sondern lassen sich in allen tropischen Gebieten der Erde finden. Neben dem südamerikanischen Rio Negro, der die Wasserart sogar im Namen trägt, ist der afrikanische Kongo das berühmteste Beispiele. Es sind aber auch Schwarzwasserflüsse in Australien, Asien und den USA vorhanden.

Wie sehen Schwarzwasser Biotope in der Realität aus?

Zwar findet man im Rio Negro System durchaus auch schnell fließende Flussläufe und sogar Stromschnellen, unsere Aquarienbewohner kommen aber meist aus langsam fließenden Nebenarmen. Das Wasser ist dort warm und extrem weich und sauer. PH-Werte um 4 sind keine Seltenheit. Die gelösten Säuren lassen das Wasser gegen den hellen Sand braun erscheinen. Das kaffeefarbene Erscheinungsbild wird komplettiert durch Wurzeln, Totholz und Falllaub, das den Boden bedeckt. Pflanzen finden sich nur sehr wenige bis gar keine und auch für die meisten Fischarten sind die extremen Wasserwerte* absolut lebensfeindlich. Nur die hartgesottensten Arten widerstehen dem niedrigen pH-Wert und der Nahrungsknappheit.

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Die Biotope sind sich auch auf den anderen Kontinenten recht ähnlich. Fauna, Flora, klimatische Bedingungen und Gewässergröße mögen variieren, doch die Wasserfarbe, Holz und Falllaub wiederholen sich auch in den anderen Schwarzwasserflüssen der Erde.

Luftbild des Rio Negro
Die Luftaufnahme zeigt, wie zerklüftet die Nebenarme des Rio Negro sein können. Hier steht das Wasser und wird tagsüber angenehm warm.

Nachstellung des Südamerika Biotops im Aquarium

Die Farbe des Bodengrund*s spielt keinerlei Rollen. Im eingefahrenen Becken unter einer dichten Laub- und Mulmschicht wird er nämlich kaum zu sehen sein. Wichtig ist eine feine Körnung, entscheide dich also für Sand oder feinen Kies. Außerdem sollte der Bodengrund* keine Stoffe an das Wasser abgeben. Insbesondere Material, das die Wasserhärte anhebt, wollen wir im Schwarzwasser vermeiden. Der Klassiker wäre hier also Bodengrund* aus Quarz, da der über diese Eigenschaften verfügt. Du kannst zusätzlich mit Kieseln verschiedener Größe experimentieren, die das einheitliche Erscheinungsbild des Bodengrund*s optisch ein wenig auflockern.

Auf dem Bodengrund* verteilst du Holz, am besten sehr viel davon. Halte dich dabei bitte an Hölzer aus dem Aquaristikfachhandel, da diese im Wasser nicht faulen. Was wir üblicherweise in Aquarien nicht wollen, ist hier aber absolut wünschenswert: Holzarten, die Gerbstoffe an das Wasser abgeben und damit pH-Wert und Farbe beeinflussen. Du kannst also frei aus allen aquaristisch erhältlichen Holzarten wählen. Am besten variierst du in Größe und Stärke, um das optische Bild von Stämmen und einem dichten Wurzelwerk zu schaffen.

Zwischen dem Holz kannst du nun Laub verteilen und auch hier gilt: Je mehr, desto besser! Laub von Buchen und Eichen bietet sich genauso an wie Seemandelbaumblätter. Aller haben die Eigenschaft, das Wasser zusätzlich einzufärben. Im Laufe der Zeit werden sich die Blätter immer weiter zersetzen und zu Mulm werden. Du musst sie dann nicht entfernen. Es reicht, wenn du einfach immer wieder neue Blätter hinzufügst.

Aquariengröße für ein Schwarzwasser Biotop

Die Aquariengröße spielt bei einem Schwarzwasser Biotop eher eine untergeordnete Rolle. Da selbst kleine Fischarten mit wenig Platzbedarf aus dem Rio Negro System bekannt sind, kannst du schon mit 60 Liter beginnen. Nach oben hin sind natürlich keine Grenzen gesetzt. Die Aquariengröße sollte sich also in erster Linie nach Größe und Bedürfnis der gewünschten Arten richten. Achte nur darauf, dass es in kleinen Aquarien schwierig werden kann, die extremen Wasserwerte* stabil zu halten.

Technik

Das typische Biotop eines Nebenarms des Rio Negro, das wir erreichen wollen, sieht praktisch keine Strömung vor. Entscheide dich also für einen möglichst leistungsarmen Filter. Auch ein Mattenfilter* oder ein völliger Verzicht auf jeglichen Filter sind für ein solches Aquarium vorstellbar. In all diesen Fällen solltest du aber auf einen geringen Besatz achten, damit entweder die schwachen Geräte oder das Aquarium mit seiner Eigenfilterung über den Bodengrund* der Aufgabe gewachsen sind.

Das Licht sollte schummrig ausfallen und richtet sich in erster Linie nach den Pflanzen, sofern du dich für eine Bepflanzung entscheidest. Die Fische selber mögen es im Schwarzwasser lieber gedämpft.

Im Gegensatz zu Filterung und Licht sollte die Heizung* nicht leistungsarm ausfallen. Viele Fischarten aus dem Schwarzwasser in Südamerika lieben es kuschelig warm. Wir sprechen hier von Temperaturen, die durchaus auch oberhalb der 25°C eines typischen Wohnzimmeraquariums liegen können. Um diese zu gewährleisten, solltest du für eine effektive Heizung* sorgen.

Erreichen der Wasserwerte für das Schwarzwasser Biotop

Wie bereits erwähnt sind die Wasserparameter im Rio Negro System extrem. Zwar sollten wir auch im Aquarium einen niedrigen Leitwert und pH-Wert anpeilen, doch bis auf einen extrem sauren Wert von 4 müssen wir es dann doch nicht schaffen. Anzustreben wäre eher ein Wert, der um 6 liegt. Am besten nutzt du für dein Schwarzwasser Biotop eine Osmoseanlage, denn mit dieser lässt sich die Wasserhärte beliebig weit hinunterdrücken.

Bleibt noch der pH-Wert. Mit einer CO2-Anlage kannst du im Schwarzwasser nicht arbeiten, da es kaum bis wenig Pflanzen erhält und das CO2 daher nicht aufgenommen wird. Eine elegante Lösung findest du in natürlichen Materialien. Buchenlaub, Seemandelbaumblätter, manche Hölzer und vor allem Erlenzapfen senken nicht nur den pH-Wert, sie färben auch das Wasser in das typische Kaffeebraun. Du schlägst also gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Zusätzlich entspricht das Falllaub auch der Optik eines Schwarzwasserflusses. Mit natürlichen Mitteln bleiben die Wasserwerte* aber niemals konstant, weswegen du regelmäßig testen solltest.

Schwarztorf*-Granulat gibt diverse Säuren ab und senkt so den ph-Wert. Außerdem wird die Karbonathärte reduziert. Das Granulat kann in eine bestehende Mediabox eingesetzt oder mit einem Netz in das Aquarium gehangen werden.
Schwarztorf*-Granulat gibt diverse Säuren ab und senkt so den ph-Wert. Außerdem wird die Karbonathärte reduziert. Das Granulat kann in eine bestehende Mediabox eingesetzt oder mit einem Netz in das Aquarium gehangen werden.

Einen ähnlichen Effekt, was den Eingriff in den pH-Wert und die Wasserfärbung betrifft, hat eine Filterung über Torf*. Da dieser aber im Gegensatz zu obigen Beispielen kein nachwachsender Rohstoff ist, solltest du im Interesse der Umwelt lieber darauf verzichten. Außerdem finden sich im Aquaristikhandel eine Reihe an Mittel, die entweder das Wasser dunkel färben oder den pH-Wert drücken. Diese kommen aber der Optik des natürlichen Biotops kaum nahe und sollten daher höchstens zur Unterstützung von Holz und Laub dienen.

Besatz aus Südamerika

Der Rote Neon* (Paracheirodon axelrodi) ist wohl der prominenteste Schwarzwasserfisch, für den viele Liebhaber dieser Region ihr Becken einrichten. Im hellen und quietschbunten Gesellschaftsaquarium* geht er meist regelrecht unter. Seine ganze Farbpracht und auch seine Schwarmdynamik kommt im kaffeebraunen Schwarzwasser mit den vielen verzweigten Ästen und Wurzeln erst so richtig zur Geltung.

Generell zeigen die Salmler des Schwarzwassers in Südamerika häufig eine leuchtende Signalfärbung, um die Artgenossen in den schummrigen Lichtverhältnissen noch ausmachen zu können. Neben dem Roten Neon trifft dies auf den Rotkopfsalmler* ( Hemigrammus bleheri) oder den Rotflossen-Glassalmler* ( Prionobrama filigera) zu, die in solch einem Becken auch gute Figur machen.

Ein roter Neon im Schwarzwasser Biotop
Neon sind klassische Vertreter dieses Biotops und lieben sehr weiches und leicht saures Wasser. Auf diesem Bild ist auch erkennbar, dass dieses Tier in dem mit Huminsäuren angereichertem Wasser gehalten wird.

Den Bodenbereich kannst du mit einem Schwarm Panzerwelse beleben. Ein typischer Schwarzwasserbewohner mit attraktiver Färbung wäre beispielsweise Corydoras adolfoi.

Pflanzen für das Schwarzwasser Biotop

Da im Schwarzwasser kaum Pflanzen vorkommen, kannst du auch im Aquarium auf eine Bepflanzung verzichten. Wenn dir ein paar grüne Farbtupfer für die Optik wichtig sind, solltest du auf Arten achten, die mit dem spärlichen Lichteinfall zurechtkommen. Um das Licht aber noch weiter abzudämpfen, kannst du ruhig zu Schwimmpflanzen greifen. Ein attraktiver Vertreter, der sogar aus Südamerika stammt, ist der Froschbiss Limnobium laevigatum.

Blätter von südamerikanischem Froschbiss im Schwarzwasser Biotop
Südamerikanischer Froschbiss ist auch in offenen Aquarien sehr schön, da man so die gemusterten Blätter gut betrachten kann.

Fazit

Ein detailliert nachgestelltes Schwarzwasser Biotop, wie es dem Rio Negro in Südamerika entspricht, ist eine attraktive Alternative zu den üblichen dicht bepflanzten Gesellschaftsbecken. Das düstere Licht und die dunkle Färbung des Wassers geben solchen Aquarien eine geradezu mystische Optik. Klassische Salmlerarten lassen sich in diesem Unterwasserbiotop durchaus neu entdecken. Manchen Arten bieten die extremen Wasserparameter sogar die perfekten Bedingungen, um ihren Halter mit Nachwuchs zu beschenken.

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