Die Pflege von Fischen im Aquarium

Das erste Aquarium ist aufgebaut, Wasser ist drin, Deko ist drin, nur die Fische fehlen noch. Als Einsteiger in die Aquaristik neigt man jetzt dazu Fische nach Gefühl und aussehen zu kaufen. Man schlendert an der langen Front der Aquarien in Zoohandlungen entlang und wählt den, den und den. In ein paar Tagen, Wochen oder Monaten ist die Enttäuschung groß wenn es nicht geklappt hat. Daher findet ihr hier ein paar Tipps, was bei der Pflege von Fischen beachtet werden sollte.

Welche Zierfische passen zusammen

Ich persönlich bin ein Fan von Artenbecken. Das bedeutet, dass ich gerne nur eine einzige Art Fische pflege. Das hat den Vorteil, dass ich mich genau um die Anforderungen dieser Art kümmern kann. Außerdem finde ich es so auch am hübschesten. Es gibt aber auch Arten die miteinander in Symbiose leben. Diese sollte man dann auch gerne miteinander vergesellschaften. Und auch unter den Aquarianern gibt es viele die es bunt mögen.

Wer mehrere Arten in einem sogenannten Gesellschaftsaquarium pflegen möchte, sollte einige Dinge beachten damit alle harmonisch miteinander leben können. Idealerweise handelt es sich um Tiere die auch in der Natur zusammen vorkommen. Ist das nicht so hilft folgende Checkliste deren Fragen ich so formuliert habe, dass ihr sie idealerweise alle mit „ja“ beantworten müsst:

  • Werden die Fische ausgewachsen alle ähnlich groß?
  • Leben die Fische in unterschiedlichen Wasserschichten (Oben, Mitte, Unten)?
  • Kann ich von allen Arten eine angemessen große Gruppe halten?
  • Fressen alle Fische das gleiche Futter und auch gleich schnell?
  • Es besteht keine Verwechselungsgefahr für die Tiere (z.B. Guppy und Kampffisch)!?
  • Ist das Aquarium ausreichend groß?
  • Keine der ausgesuchten Arten ist ein Raubfisch!?
  • Benötigen alle Arten ähnliche Wasserwerte?

Wenn eine oder sogar mehrere Punkte mit „nein“ beantwortet werden müssen, könnt ihr davon ausgehen, dass einige Tiere mit falschen Wasserwerten, Stress oder falscher Ernährung leben müssen.

Ein schöner Beispielbesatz für ein Südamerika Becken wären zum Beispiel Schmetterlingsbuntbarsche, Neons und Beilbäuche.

Wie oft und wie viel Zierfische gefüttert werden

Bei der Pflege von Fischen ist es sehr wichtig wann man wie viel von was füttert. Wie überall im Tierreich gibt es auch bei den Zierfischen Arten die tierische Nahrung bevorzugen, und die die pflanzliche Nahrung nehmen. Teilweise handelt es sich um sehr strikte Nahrungsspezialisten. Dadurch kann eine falsche Fütterung bis hin zum Ausfall des Verdauungssystems führen. Die gängigen Hauptfutter sind daher meistens, aber nicht immer die beste Wahl. Carnivore Tiere sollten vorzugsweise nur mit Lebendfutter gefüttert werden.

Bei der Frage wie viel man füttern soll bekommt man oft pauschale Aussagen wie „lieber zu wenig als zu viel“ oder „Fische haben kein Sättigungsgefühl und werden zu viel gefüttert“. Tatsächlich belastet nicht gefressenes Futter das Wasser und auch die Ausscheidungen sind nicht förderlich für die Wasserwerte. Aber hungrige Fische sind auch nicht der Hit und ich musste schon oft mit ansehen wie Fische abmagerten und verstarben.

Das Hauptfutter sera vipagran ist ein Granulatfutter.
Das Hauptfutter sera vipagran ist ein Granulatfutter.

Seitdem Füttern ich nicht nur mehrmals täglich sondern auch mehr und vor allem abwechslungsreicher. Vormittags bekommen meine Saulosis Granulatfutter über den Futterautomaten und Abends gebe ich selber noch mal Flockenfutter. Dabei dürfen die Tiere schon mal einen kleinen Bauch bekommen. Wenn nach gefühlten Ewigkeiten immer noch Futter auf dem Boden rum liegt war es tatsächlich zu viel. Gefühl ist hier das Stichwort.

Sehr schwierig zu füttern sind übrigens Panzerwelse, da diese sehr abwechslungsreich ernährt werden müssen und sich auch gerne von anderen Arten das Futter wegfressen lassen.

Wasserwerte für die Pflege von Fischen

Zur Pflege von Fischen ist es essentiell zu wissen welche Wasserwerte von den Tieren und Pflanzen benötigt werden. Und damit ist nicht nur die Wassertemperatur gemeint. Stattdessen sind die wichtigsten Faktoren der ph-Wert und die Wasserhärte, wobei wir hier in Gesamthärte und Karbonathärte unterscheiden. Meist ist es so, dass Wasser mit einem niedrigen ph-Wert auch eine niedrige Härte hat und Wasser mit einer hohen Härte hat auch einen höheren ph-Wert.

Härte und ph-Wert

Dieser Zusammenhang beruht zum Großteil auf Hydrogencarbonaten die sich über die Karbonathärte messen lassen. Hydrogencarbonate sind sogenannten Säurepuffer und verhindern, dass der ph-Wert schlagartig abfällt. Um diesen „Säuresturz“ zu verhindern wird in der einschlägigen Literatur angegeben, dass die Karbonathärte im Aquarium mindestens 4 °KH betragen soll. Für die meisten Tiere, vor Allem in Gesellschaftsaquarien, ist das eine gute Grenze. Einige spezielle Biotope erfordern aber deutlich niedrigere Werte. Meine Red Bee Garnelen halte ich zum Beispiel bei einer nicht nachweisbaren Karbonathärte und einer Gesamthärte von 6 °GH. Der ph-Wert liegt in diesem Fall nur bei 5.

Das gängige Gesellschaftsbecken

Die meisten Zierfische bevorzugen leicht saures Wasser. Obwohl eine Haltung in unserem Leitungswasser meistens möglich ist, ist es zu empfehlen den ph-Wert leicht zu senken. Naheliegend ist es dies durch die Zugabe von CO2 zu tun. Davon muss ich aber dringend abraten. Zwar senkt „Kohlensäure“ den ph-Wert, das ist aber nur ein Nebeneffekt. CO2 sollte primär nur als Pflanzendünger eingesetzt werden. Viel empfehlenswerter ist die Zugabe von Huminsäuren, da diese auch in den natürlichen Habitaten meistens für die saure Umgebung sorgt. Dies geschieht durch die Filterung über Torf oder die Zugabe von Torf-Extrakt. Da hierdurch das Wasser braun getrübt wird sollte man hiermit auch recht sparsam sein. Eine niedrige Karbonathärte vereinfacht es übrigens die Wasserwerte zu beeinflussen. Wer Probleme hat die richtigen Werte einzustellen sollte sich daher überlegen ob er nicht zumindest teilweise mit Osmosewasser arbeitet.

Schwarztorf-Granulat gibt diverse Säuren ab und senkt so den ph-Wert. Außerdem wird die Karbonathärte reduziert. Das Granulat kann in eine bestehende Mediabox eingesetzt oder mit einem Netz in das Aquarium gehangen werden.
Schwarztorf-Granulat gibt diverse Säuren ab und senkt so den ph-Wert. Außerdem wird die Karbonathärte reduziert. Das Granulat kann in eine bestehende Mediabox eingesetzt oder mit einem Netz in das Aquarium gehangen werden.

Wie viele Fische in einem Aquarium gepflegt werden können

Im Internet kursieren so einige Formeln die sich anmaßen genau diese Frage mathematisch zu beantworten. Es gibt aber auch schon kritischere Stimmen die sich die Tauglichkeit dieser Formeln bereits angesehen haben. Dabei stellt sich heraus, dass die Formeln auf die Pflege von Fischen abzielen, die relativ klein sind und oft in Gesellschaftsaquarien gehalten werden. „Besondere“ Tiere wir zum Beispiel Diskus oder Skalare fallen aufgrund ihrer besonderen Körperform komplett aus dieser Betrachtung raus. Und auch Bodenbewohner haben nichts von einem großen Volumen wenn eine eh kleine Grundfläche mit Dekorationsmaterialien vollgestellt wird.

Die Pflege von Fishen im Meerwasser.
Meerwasserfische wie diese benötigen ein großes Aquarium mit einer ausgefeilten Technik und sind daher nur für gut eingelesene Anfänger geeignet.

Mit nur wenigen Ausnahmen sind die meisten der von uns gepflegten Zierfische alle Gruppentiere. Je größer diese Gruppen sind, desto besser. Und bis auf wenige Ausnahmen sind auch alle Aquarium-Fische recht schwimmaktiv. Man kann also für sich schon immer überlegen, ob das vorhandene Aquarium einer angemessenen Gruppe (meist >20 Tiere) ausreichend Schwimmraum bietet. Im Zweifel empfehle ich ein Gespräch mit einem Züchter bevor man sich auf eine Faustformel verlässt. Aber auch hinter Online-Shops verbergen sich Menschen und so muss Zierfische kaufen vom Profi nicht nur den Züchter um die Ecke bedeuten.

Braucht man für die Pflege von Fischen Licht?

Ganz klares jein. Sicherlich brauch unsere Zierfische einen geregelten Tagesablauf den sie durch die hell / dunkel Phasen bekommen. Das Tageslicht in unseren Wohnräumen ist dafür aber vollkommen ausreichend. Tatsächlich fühlen sich die meisten Fische auch mit weniger Licht deutlich wohler. Ein schlecht eingerichtetes aber gut beleuchtetes Aquarium kann Stress für die Tiere bedeuten.

In der Praxis wird dieser Extremfall aber nur selten vorkommen. Eine starke Beleuchtung ist nur dann notwendig, wenn viele Pflanzen mit einem großen Lichtbedarf gepflegt werden. In diesem Fall bieten genau diese Pflanzen wieder ausreichend Schatten und Rückzugs-Möglichkeiten. Wenig bepflanzte Becken werden meist schon aufgrund der Stromkosten weniger beleuchtet.

Wissen ist Macht bei der Pflege von Fischen

Abschließend lässt sich also sagen, dass man keine pauschalen Aussagen zum Besatz, der Fütterung oder den Wasserwerten sagen kann. Es ist alles abhängig davon welche Tiere man pflegen möchte. Hier gilt es dann zu wissen, welche Anforderungen diese Tiere haben damit genau diese erfüllt werden können. Oder man geht genau anders herum an die Sacher heran. Wenn man weiß welche Bedingungen man vorliegen hat, kann man genau hierfür einen Besatz auswählen. Hilfreich ist hier selbstverständlich der Fachhändler, aber auch Plattformen auf denen man Tiere nach ihren Anforderungen filtern kann.

Wie sieht euer Besatz aus? Und welche Erfahrungen konntet ihr damit sammeln? Ich freue mich auf eure Kommentare.

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